An(ge)dacht, Gebet, Gedichtet

Zeit ein Licht anzuzünden

Spätestens nach der Zeitumstellung, wenn es abends wieder viel eher dunkel wird, allerspätestens am 31. Oktober fängt bei uns die Kerzenzeit an. Am Reformationstag finden wir es passend, allen, die lieber Halloween feiern, all dem Spaß am Gruseln, Erschrecken, dem Feiern von Bösem, Finsterem, Gemeinheit, Hässlichkeit und Ekel ein helles, freundliches, warmes Licht entgegenstrahlen zu lassen. In manchen Gemeinden in unserer Gegend wird für die Kinder an diesem Tag ein Lichterfest angeboten, eine schöne Idee, wie ich finde.

Jesus hat gesagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Zu überlegen, was es für mich im übertragenen Sinn bedeutet, dass Jesus das Licht der Welt ist, fasziniert mich schon seit längerem.

Als ich vor ein paar Jahren zum allerersten Mal nach 8 Jahren Familienzeit für ein Wochenende allein unterwegs war, erschloss sich mir das Thema noch einmal ganz neu, als ich am Abend in der Stille des Zimmers fürchtete, dass meine Auszeit allein ein großer Fehler war. Es fühlte sich so seltsam einsam an: „fällt mir nicht die Decke auf den Kopf, was mache ich hier nur so ganz allein?“ Ein großes Gedankenkarussel begann sich zu drehen, bis ich mich an dem Gedanken festhielt: Ich bin doch gar nicht allein, Jesus ist hier bei mir.
Als Erinnerung daran, zündete ich mir eine Kerze an.
Aus dem Nachdenken darüber, was das Besondere am Licht ist und wie es auf mich im wörtlichen und übertragenen Sinne wirkt, wurde ein Gebet:

„Jesus, du bist das Licht der Welt.
Erleuchte meinen Verstand,
wärme mein Herz, meine Seele,
durchleuchte und läutere mein Denken und Wollen, mein Reden und Handeln,
gib meinem Körper gesunde Lebensenergie,
heile meinen Leib und meine Seele,
durchdringe die dunklen Wolken von Sorge und Angst,
erfreue meine Sinne.
Wo dein Licht leuchtet, hat die Finsternis keine Macht.
Lass du mich selbst ein Licht in meiner Umgebung sein.“

 Das Gebet fasst knapp zusammen, was Jesus, das Licht der Welt, für mich bedeutet:
Wenn Jesus das Licht der Welt ist, heißt dies im Bild gesprochen, dass er meinen Verstand erleuchten kann, damit ich die Dinge richtig erkennen kann und mir ein Licht aufgeht, wo ich nichts verstehe oder nur schwarz sehe.
Er kann mein Herz und meine Seele wärmen, wie nur Licht und Feuer bzw. frei werdende Energie Wärme spenden können.
Jesus kann mein Denken und Wollen, mein Reden und Handeln durchleuchten wie mein Gepäck im Durchleuchtungsapparat auf seinen wahren Inhalt geprüft wird bzw. wie Gold im Feuer geläutert, also gereinigt wird.
Er kann meinen Leib und meine Seele heilen, wie das Sonnenlicht schädliche Keime abtötet und heilend wirkt.
Nur Er kann meinem Körper gesunde Lebensenergie geben, wie auch ohne Licht kein Leben auf dieser Welt möglich ist, jede Pflanze, jede lebende Zelle braucht es.
Jesus kann die dunklen Wolken von Sorge und Angst beseitigen, wie die Sonne Wolken aufzulösen vermag oder Wind erzeugt, der sie vertreibt.
Er schenkt mir wirkliche Freude für alle Sinne, so wie das Sonnenlicht Grundlage dessen ist, was meine Sinne erfreut: dass ich die Schönheit aller Farben sehe, dass die Blumen aufblühen, um ihren Duft in meine Nase steigen zu lassen, dass ich die Wärme der Sonne auf meiner Haut fühle, dass ich die Süße der Früchte schmecke und mir Geräusche keine Angst machen wie im Dunkeln, sondern ich sie wie z.B. den Gesang der Vögel genießen kann.
So wie die Flamme einer kleinen Kerze einen dunklen Raum bis in die hinterste Ecke erhellt und die Finsternis vertreibt, so hat Satan mit all seinen finsteren Mächten keine Chance gegen Jesus, das Licht der Welt, sondern er muss weichen, wenn Jesus auftritt. Denn die Finsternis kann kein Licht auslöschen. Das Licht braucht allerdings auch Objekte, die es reflektieren und sichtbar machen.

Bei mir steht nun regelmäßig eine brennende Kerze auf dem Tisch.

Wenn ich Stille Zeit halte, dann erinnert mich die brennende Kerze daran, dass ich mit Jesus „verabredet“ bin, dass meine Gedanken nicht abschweifen, sondern bei ihm bleiben, d.h. dabeibleiben, über sein Wort, was ich in der Bibel lese, nachzudenken und mit ihm im Gebet zu reden und auf ihn zu hören.

Sitze ich alleine am Tisch beim Essen oder zum Entspannen auf dem Sofa, so weiß ich, dass ich doch nicht alleine bin, weil Er da ist. Die Kerze erinnert mich daran, mit ihm im Gespräch zu bleiben.

Auch wenn ich gemeinsam mit anderen, mit der Familie oder Gästen, am Tisch sitze, zünde ich eine Kerze an und rufe mir und den anderen in Erinnerung, dass Jesus mitten unter uns ist. Ich möchte so reden, dass er gerne dabei sein kann, möchte gerne ein Licht für die anderen sein, indem ich etwas sage oder tue, das erleuchtet, wärmt, läutert, Kraft gibt, heilt oder einfach erfreut.

Und wenn ich die Kerze lösche? Natürlich ist Jesus dann immer noch da, ich habe ja nur meine Erinnerungsstütze ausgepustet.

Das Anzünden einer Kerze ist bei mir mittlerweile zu einem echten Ritual geworden. Seltsamerweise, denn gegen Rituale hatte ich lange Zeit eine Abneigung, weil ich damit nur formelle, runtergeleierte und nicht ehrlich bzw. von Herzen gesprochene Gebete und Liturgien sowie inhaltslose Handlungen verband.
Das Kerzenritual erlebte ich zum ersten Mal bei meinem Pfarrer und Kollegen, der die Angewohnheit hatte, bei jeder Dienstbesprechung oder jeder anderen Gesprächssituation wie etwa am Essenstisch eine Kerze anzuzünden und dabei Worte zu zitieren, die sich darauf bezogen, dass Jesus das Licht der Welt ist.
Diese Handlung hatte sich bei mir ins Gedächtnis eingeprägt, obwohl ich sie damals sonderbar fand und nicht viel damit anfangen konnte. Aber nach etwa 10 Jahren wurden mir diese Erinnerungen sehr wertvoll, als ich mein Aha-Erlebnis an meinem einsamen Abend hatte.

Mir ist das Kerzeanzünden eine wichtige Hilfe, mich im Alltag an die Gegenwart von Jesus zu erinnern, mit ihm im Gespräch zu bleiben und in seinem Sinne zu denken, zu reden und zu handeln.

Wenn ich eine Kerze entzünde, dann denke ich daran, dass Jesus gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt.”  Je nach Gelegenheit spreche ich auch laut mein Gebet über das Licht der Welt oder einen Bibelvers, der sich darauf bezieht.
Für mich ist das Anzünden einer Kerze eben kein leeres Ritual mehr, sondern es ruft mir in dem Augenblick alles in Erinnerung, was ich über das Licht und die Bedeutung von Jesus als Licht der Welt gelernt habe.
Mit brennendem Herzen versuche ich immer wieder, meinen Kindern dieses Ritual zu erklären und nahezubringen. Rituale, deren Sinn man nicht kennt, sind wenig nützlich. Trotzdem kann es sein, dass es bei ihnen genauso lange wie bei mir dauert, bis es ihnen zum Segen wird. Aber ich glaube daran, dass ein ausgesprochenes Gebet oder Wort Gottes nicht ohne Wirkung bleibt.

Es ermutigt mich zu wissen, dass Jesus als Licht bei mir ist und es motiviert mich, das Gute, was ich von ihm bekomme, an die Menschen in meinem Umfeld weiterzugeben, ihnen ein Licht zu sein.
Ich kann das nicht vereinen mit dem, was an Halloween gefeiert wird: Spaß auf Kosten oder an Angst und Schrecken anderer, Schnorren oder gar Erpressen von Süßigkeiten (Süßes her oder ich geb dir Saures!), mal möglichst Böse sein, Verletzung von Intimsphäre und Eigentum anderer und Schlimmerem und allgemein ein Verdrehen von Gut und Böse.

Zeit ein Licht anzuzünden, bedeutet:

Es ist die Jahreszeit, um ein Licht anzuzünden.
Es ist Zeit, in unserer Gesellschaft ein Licht anzuzünden.
Wir brauchen Zeit, um uns an die erhellende, wärmende, heilende, kraftvolle, erfreuende Gegenwart von Jesus zu erinnern und unser Licht an ihm anzuzünden.

Ich wünsche dir solch eine wunderbare Licht-Zeit, heute und morgen, durch die Wintermonate hindurch und das ganze Jahr über.

 

Hier sind noch einige weitere Verse  zum Beten und Sprechen beim Anzünden der Kerze:

Jesus spricht: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Joh 12,46)

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ (Ps 27,1)

„Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes 60,2)

„Mache dich auf/ Steh auf (EÜ) und werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir.“ (Jes 60,1)

Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14a+16)

„Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem HERRN. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Eph 5,8-9)

„Tut alles ohne Murren und Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes  Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens.“ (Phil 2,14-16a)

 

Hast du auch Erinnerungshilfen, dich an die Gegenwart und Macht von Jesus zu erinnern? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

 

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