Erlebt, Gott im Alltag, Haushalt, Muttersein

Von Plänen, To-Do-Listen und einer noch besseren “Organisationsmethode”

So, da sind wir wieder mitten im Alltag. Nach 6 Wochen Sommerferien, in denen wir einmal richtig abgetaucht waren und Abstand vom Alltag hatten, finde ich mich wieder inmitten eines Berges von “Was man alles so tun müsste”.

neue Schuhe für 7 Personen – und es sind noch nicht alle benötigten

Die drängenden Sachen…

…habe ich mittlerweile erledigt, wie z.B. 4erlei Materiallisten für die Schule abarbeiten, fehlende Schuhe in den passenden Größen besorgen, Spinnweben und Staubflocken beseitigen, die sich beim Gang durchs Haus an einen heften. Auch die Lücken in den Vorräten, die einem in brenzligen Situationen, z.B. beim Füllen der Brotboxen am frühen Morgen, sämtliches Improvisationstalent abverlangen, habe ich aufgefüllt.

Das weniger Dringende…

…schrieb ich mir auf. Ein Blatt reichte nicht für die ToDoListe, ein zweites füllte sich und dann ein drittes mit den neu zu organisierenden Arztterminen und Terminen für Hobbys und co. Als ich mir einen Überblick über anstehende Aufgaben verschaffte, fiel mir neben unerledigter Bürokratie noch eine To-Do-Liste in die Hände, die ich vor etwa einem Jahr angefertigt hatte. Ein Blick darauf zeigte, es hat sich so gut wie noch nichts erledigt von der ganzen Liste: alles dabei, angefangen mit kleinen und großen Renovierungsarbeiten, die noch vom Umzug übrig geblieben waren, Aufräumen und Putzen verschiedener Chaosbereiche, Papierkram, Plänen für Optimierung im Haushalt, Ersatz Beschaffen für ausgediente, pannenanfällige Haushaltsgeräte. Weiter ging es über Seepferdchenkurse für unseren Großen und verschiedenen Näharbeiten bis zu Lesewünschen interessanter Literatur.

Nun ja, dieses Jahr war bisher ein Ausnahmejahr mit viel Auszeit zum neue Kraft sammeln, da durfte Arbeit auch liegen bleiben.
Außerdem hat sich in den letzten Monaten schon ein so hilfreiches Netzwerk gebildet von Unterstützung und Ermutigung und neue Wege bahnen sich an, die hoffnungsvolle Blicke in die Zukunft erlauben. Ich bin begeistert, was ich mit meinem Wort des Jahres – es ist Neuorientierung – bereits erlebt habe und dachte, dass es nun einfach immer weiter bergauf gehen wird. Denn ich habe einen genialen Hauskreis, einen Chor, eine Babysitterin, eine regelmäßige Haushaltshilfe, eine Müttergebetspartnerin und Freundin, viele neue Kontakte zu christlichen (Mehrkind-)Mamas gefunden. Habe meinen Blog wiederbelebt und viele andere tolle Blogs kennengelernt, ein nach der OP endlich durchschlafen könnendes Kleinkind bekommen und eine neue Idee von Berufung.

Immer wieder Neuanfang

Nun war ich also hier am Start des neuen Schuljahres, erholt und ausgestattet mit mehr Kraft und hochmotiviert, mit guten Plänen alle Aufgaben und Termine so zu organisieren, dass alles wieder richtig läuft.
Aber ich musste wieder lernen, dass eigentlich jedes Schuljahr sämtliche alten Pläne über den Haufen wirft und Neuorientierung erfordert. Die Stundenpläne haben sich geändert, nicht nur bei 4 Kindern, sondern bei meinem Allerbesten ebenso, sowie die Zeiten der AGs und Nachmittagskurse und die Busfahrpläne. Vor mir liegt eine Art Matrix, mit der ich mir einen Überblick verschaffe, wer wann wo von wem abgeholt werden muss, oder sich mit dem nötigen Busgeld ausgestattet selbst auf den Weg machen soll. Man könnte eigentlich jemanden gebrauchen, der einem in dem Umgewöhnungschaos ein wenig unter die Arme greift, zumindest mit Kinderbetreuung während der 8 Elternabende und Schulsitzungen in 4 Wochen – Terminüberschneidungen inklusive.

Na, wir haben doch jetzt eine Babysitterin, erinnerte mich mein Mann… leider nein, gerade im August und September haben Studenten Ferien, und kommen dann in prüfungslastigere Semester, in denen sie nicht mehr regelmäßig fremde Kinder betreuen können… wir brauchen wieder jemand Neues.
Auch Haushaltshilfen werden krank und schaffen es nicht mehr richtig zu putzen… wir brauchen wieder eine neue.
Und meine Gebetsfreundin hat Gott samt Familie gleich 2 Monate nach unserem Kennenlernen in einen anderen Teil der Republik “abberufen” -, unsere Moms-in-Prayer-Gruppe ist daher bald – nach gut einem halben Jahr Bestehen – schon wieder Geschichte.

Jesus, muss ich mit allem zu Organisierenden schon wieder von vorne anfangen? Was hast du dir denn dabei gedacht, dass du mir die Unterstützung nur für ein paar Monate gibst und dann bricht schon wieder alles weg? Ich fühle mich fast wie noch einmal umgezogen.

Pläne machen

Ich schaue mir meine Listen an und versuche zu planen – ich mache gerne Pläne. Wenn irgendwo etwas nicht gut läuft, dann entwerfe ich gerne ein Konzept, wie man die Sache verbessern und bewältigen kann. Aber es sieht so aussichtslos aus, alles unter einen Hut zu kriegen.

Ich glaube, dass ich mich mit meinen vielen Listen und Plänen oft selbst entmutige und verrenne. Ich denke so lange darüber nach, was wie zu tun ist, um keine Feinheit zu übersehen, dass ich den richtigen Zeitpunkt verpasse oder die Zeit fehlt, alles umzusetzen.

Warum Pläne

Ich bin nicht gegen Pläne. Nach wie vor bin ich von meinen beiden Haushaltsgrundsätzen überzeugt:

“1. Ohne Plan läuft nichts. 2. Es läuft nichts nach Plan.”

Ein “Schlachtplan”, wie die Stundenpläne und anderen Aktivitäten der Familienmitglieder, alle Hausarbeiten und anderen Arbeitszeiten, die täglich oder wöchentlich anstehen, koordiniert werden können, ist auf jeden Fall wichtig.

Für die To-Do-Liste

Genauso hilfreich finde ich es immer wieder, die To-Do-Liste in die 4 Quadranten in der “Eisenhower-Matrix” einzutragen und dann nicht nur die wichtig und dringenden Dinge und die sich aufdrängenden unwichtigen Dinge zu erledigen, sondern auch was langfristig wichtig ist und die Lebensqualität verbessert:

Mit Jesus rechnen

Aber mich begleitet seit ich Familie und ein behindertes Kind habe auch der Spruch von Hélder Câmara:

Sag Ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben – ja vielleicht deinem Leben.
Sie sind nicht Zufall.
Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, selber den Verlauf deiner Tage zu bestimmen.

Ich versuche, das Unvorhergesehene, das meine Pläne durchkreuzt, aus Gottes Hand zu nehmen.
Und ich bitte Gott, dass er mich den richtigen Weg führt, dass er mir zeigt, was ich tun soll. Aber höre ich ihm überhaupt zu, wenn er mich leiten will? Ich versuche doch, alles mit meinem eigenen Verstand zu Planen und zu kontrollieren, auch wenn ich immer wieder daran scheitere und unzufrieden werde.

Ein Refrain aus einem alten Lied von Manfred Siebald (Ich schütte mein Herz bei dir aus) kommt mir in den Sinn:

Herr, meiner Pläne werd ich nicht Herr. Sei du der Herr meiner Pläne.

Und die Bibel kennt ja auch noch einen Zwillingsvers zu dem bekannten “Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn…” (Psalm 37,5), nämlich “Befiehl dem Herrn deine Werke…” (Sprüche 16,3) bzw. in einer anderen Übersetzung:

Vertraue dem HERRN deine Pläne an, dann wird er dir Gelingen schenken.

Das will ich tun, Gott meine Pläne anvertrauen und ihn fragen, was und wie ich es tun soll.

Der erste Schritt…

…ist, dass ich meine To-Do-Listen als Gebetsliste nehme, sie vor Jesus ablege und mich nicht mehr davon stressen lasse, weil er Bescheid weiß.

Wir beten im Hauskreis für meinen Bedarf an Unterstützung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung und dann kommt mir ein Gedanke:
Hat Jesus mir einmal Unterstützung organisiert, dann ist sein Reservoir damit ja nicht erschöpft. Aus seiner Fülle können wir alle täglich Gnade (Geschenk!) um Gnade nehmen. (vgl. Johannes 1,16) Er hat unzählig viele Möglichkeiten mir zu helfen, immer wieder neu.

Es klingt unglaublich: Aber innerhalb von einer Woche hat er mir eine neue Haushaltshilfe und Kinderbetreuung organisiert, ohne dass ich wild herumsuchen musste, aber davon erzähle ich vielleicht ein nächstes Mal.

Der zweite Schritt…

…ist, dass ich übe, auf Gottes Stimme zu hören. Wenn er durch seinen heiligen Geist in mir wohnt, dann kann er zu mir reden, indem er mir z.B. einen Gedanken eingibt, der nicht aus mir selber heraus kommt. Dieses Reden ist sehr leise und nicht leicht von den eigenen (Wunsch-)Gedanken zu unterscheiden, Bettina von “Raus aus der Affenfalle” hat das in ihrem Post “Donner und Flüstern – Gottes Stimme hören” ganz schön beschrieben. Weder das “Gar nicht mit seinem Reden rechnen” noch das “Gott hat mir gezeigt, dass du mich heiraten sollst” ist der richtige Weg. Es lohnt sich aber zu prüfen und auszuprobieren, ob das, was man gehört zu haben meint, z.B. als ersten Gedanken beim Aufwachen, beim Beten, beim Lesen einer Email… seine Stimme war, die mich zum nächsten Schritt auf meinem Weg auffordern wollte oder Punkt 1 meines Tagesplanes nennen wollte.

Gott plant anders

Oft ist ja das, was ich mir als Plan zurecht gelegt habe, gar nicht der beste Weg, auch wenn ich ihn dafür halte. Jesus weiß es besser, auch wenn ich seine Wege meistens zunächst nicht begreifen kann.

Mein Plan…

… war z.B., dass unsere Kinder jeweils in dem Jahr vor der Einschulung ihr Seepferdchen machen. Mein Großer hatte also mit seinem Kurs angefangen, aber vor Erreichen des Seepferdchens kamen unser Unzug und die Geburt des Jüngsten dazwischen. Mit Neugeborenem, besonderer Tochter und zwei weiteren Geschwistern im Schlepptau sah ich mich nicht in der Lage, ihn weiterhin zu den nun recht fahrtaufwendigen Kursen zu begleiten. Nach einem Jahr versuchte ich einen neuen Anlauf etwas zu organisieren, aber nun hatte das Hallenbad in unserer Nähe wegen Umbaumaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen. Im neuen Ort gibt es noch einen anderen Schwimmverein – mit langer Warteliste wie ich hörte – bei dem ich unseren Sohn und die kleine Tochter anmelden wollte. Die Anmeldung dort stand schon auf meiner To-Do-Liste von vor einem Jahr.

Gottes Plan

Vor ein paar Tagen betete ich darüber, was ich als nächstes in Angriff nehmen sollte. “Wegen dem Schwimmkurs nachfragen” war mein Eindruck, obwohl es da doch noch dringendere Punkte gab. Ich googelte und entdeckte, dass nur in den nächsten beiden Tagen für 1,5 Stunden jeweils Bürozeit beim Schwimmverein war. Den ersten Tag verpasste ich wieder wegen anderen Terminen, dann rief ich im Büro an, 3-4mal, bis endlich jemand ans Telefon ging. Wegen Renovierungsarbeiten wäre gerade kein normaler Betrieb und das Büro nicht besetzt. Aber ich erhielt die Nummer der Ansprechpartnerin für das Kinderschwimmen.

Sofort erreichte ich eine nette Frau, die mir erklärte, dass über 100 Kinder auf der Warteliste stehen würden und an einen Platz erst in ca. 1,5 Jahren zu denken wäre. Als sie erfuhr, dass unsere Kinder schon 8 und fast 6 Jahre alt sind, meinte sie, dass der Zug ja eigentlich jetzt schon abgefahren sei, sie könne unseren 8jährigen ja nicht mit 4jährigen in einen Kurs stecken und die gleichaltrigen Kinder würden schon für Silber trainieren. Aber dann wusste sie eine Lösung für uns: Zusammen mit 2 anderen ebenfalls durch verschiedene Umstände verspätet schwimmenlernenden Kindern würde sie unsere Kinder in einer extra Schwimmzeit – der einzig freien in der gesamten Woche und für uns familienlogistisch umsetzbar  – zu viert unterrichten, wenn sie wollen, solange bis sie an das Niveau ihrer Alterskollegen herangeschwommen wären!

Es ist gerade nicht dran, sagte mir mein Verstand, wenn ich in den letzten 2 Jahren an das Schwimmenlernen dachte. Ich war aber trotzdem ärgerlich auf die Umstände und fühlte mich schuldig, dass ich das für meinen Sohn nicht auf die Reihe bekam. Ich hatte kein Vertrauen, dass Jesus einen viel besseren Plan hatte: Einen Privatkurs ab sofort für beide Kinder zusammen, zu logistisch machbarer Zeit solange sie es nötig haben – was hätte ich Besseres organisieren können!

Mich haben diese Erlebnisse zu Beginn des neuen Schuljahres ermutigt, alle meine Bedürfnisse, Pläne und ToDos Jesus anzuvertrauen und auf seine leisen Hinweise zu achten, was wirklich dran ist. Ich muss nicht die perfekte Mutter sein, die alles alleine im Griff hat und ihren Kindern alles erdenklich Gute ermöglicht. Er erwartet nicht mehr von mir, als das ich das wenige, was in meinem Möglichkeiten liegt – die 5 Brote und 2 Fische – gebe. Und dann findet er wunderbare Wege, alle nicht nur ausreichend, sondern mit überfließend viel Gutem zu versorgen.

Sei gesegnet!
Jojo

 

Loading Likes...

1 thought on “Von Plänen, To-Do-Listen und einer noch besseren “Organisationsmethode”

  1. Hallo, liebe Johanna, jetzt endlich kam ich dazu, Deinen so interessanten und bewegenden Bericht zu lesen. Da geht es Dir mit großer Familie ja ähnlich wie mir, ohne Familie, aber mit vermehrten Aufgaben im Kirchengemeinderat Aidlingen. Unser Pfarrer wurde nämlich am 30.9. verabschiedet und die Aufgaben unter uns aufgeteilt. Darum war ich letzte Woche einige Tage unter Termindruck – ich hatte Artikel für den Gemeindebrief übernommen u. a. ABER wunderbarerweise konnte ich trotzdem einen Freitagnachmittag im Bad Liebenzeller Thermalbad bei sommerlichen Temperaturen genießen – herrlich und wirklich REICH, wie unser HERR uns immer wieder beschenkt.
    ER segne und stärke Dich und alle Deine Lieben,
    Deine Sr. Liesel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.