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#wasistschön – Sind alle Menschen schön?

Ist Schönheit rein subjektiv?

Für viele liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Ist alles nur Geschmackssache und kulturelle Prägung, gibt es wirklich völlig konträre Schönheitsideale?

Ist jemand schön, weil ich sage: “Du bist schön?”

Im letzten Jahr hat der Film „Embrace – du bist schön“ (Dokufilm 2017, von Taryn Brumfitt und Nora Tschirner) einen Nerv getroffen mit dem Anliegen, Frauen dazu zu ermutigen, ihren Körper so anzunehmen wie er ist, Frieden mit sich zu schließen, sich zu umarmen und sich einfach schön zu finden.
Ja, es ist krank und macht krank, wenn wir Frauen (und Männer) uns bzw. unseren Körper an einem gephotoshopten wirklichkeitsfernen Ideal messen (lassen müssen), mit sämtlichen Mitteln versuchen (sollen), dem gleich zu werden und unseren Wert daran messen, wie nah wir ihm kommen. Insofern ist die Botschaft, die Taryn Brumfitt senden wollte, ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber etwas überzeugt mich noch nicht ganz. Mal ehrlich: Kann ich einfach zu mir sagen: „Ich bin schön.“, und dann ist das Problem gelöst? Soll ich z.B. ein verkrüppeltes Ohr schön finden? Können wir ganz ehrlich sagen, dass wir einen übergewichtigen Körper als schön ansehen? Finden wir einen schlanken nicht zumindest schöner?

Ich glaube, dass da etwas in uns hineingelegt ist: ein Sinn für Ästhetik, eine Sehnsucht nach dem Vollkommenen, Perfekten, Fehlerlosen und Besonderen, nach echter Schönheit.

Es gibt erkennbare Prinzipien für allgemeine Schönheitsideale

Wir haben auch im Bezug auf unseren Körper Vorstellungen davon, was optimal ist. Es gibt Forschungen, die darauf hinweisen, dass es weltweit Einigkeit darüber gibt, welche Gesichtsproportionen wir als schön empfinden.
Im Hinblick auf den Körper kommt mir sofort die Zeichnung des „Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci in den Sinn – ein Mann, dessen gestreckte Arme und Beine in verschiedenen Positionen einen umgebenden Kreis bzw. ein Quadrat berühren – , eines der meistgedruckten Kunstwerke der Kunstgeschichte, das auch als Beispiel für den „goldenen Schnitt“ herangezogen wird.

Der Goldene Schnitt ist ein mathematisch berechenbares bestimmtes Verhältnis von Teillängen zueinander, aus der Fotografie kennen wir die etwas vereinfachende Drittelregel: Ein Motiv wirkt am besten, wenn der Horizont das Bild in ein Drittel z.B. Landschaft und zwei Drittel Himmel (oder umgekehrt) teilt. Es ist faszinierend, dass es für den goldenen Schnitt auch in der Natur viele Beispiele gibt. Im 19. Jahrhundert löste der Philosoph Adolf Zeising mit seiner Theorie, dass es ein Naturgesetz der Ästhetik (Schönheit) auf Basis des Goldenen Schnittes geben müsse, große Begeisterung aus und fand überall, in der Natur, Kunst und Architektur Beispiele dafür.

Wie das Schönheitsideal konkret aussieht, hat auch etwas mit kultureller Prägung zu tun.
Aber es scheint doch einen recht einheitlichen Sinn dafür zu geben, dass das Schönheitsideal etwas zu tun hat mit harmonischen Proportionen, symmetrisch geformten Körperhälften und Ausgewogenheit und Stimmigkeit bei typbedingten Besonderheiten z.B. des Körperbaus bzw. von Haut- und Haartyp.  Gleichzeitig beinhaltet es auch den Wunsch nach Einzigartigkeit, Besonderheit und Perfektion.

Woher kommt das?

Für mich ist das ein Hinweis auf Gott, unseren Schöpfer.
Gott ist der größte Ästhet. Er ist vollkommen, perfekt, ohne Fehler. Er ist Schönheit und Herrlichkeit in Person. Er ist besonders, einzigartig, heilig.

Sind alle Menschen schön?

Ja, das sind sie, denn Gott hat die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, also so, dass wir ihm, dem perfekten vollkommenen Gott mit all seiner Schönheit und Herrlichkeit ähnlich sehen. Sein Urteil über den Menschen nachdem er ihn geschaffen hatte war „sehr gut“. David sagt in Psalm 8,6:

„Denn du (Gott) hast ihn (den Menschen) nur wenig geringer als Gott gemacht und ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt.“.

Aber warum gibt es Menschen mit verschiedenen (Erb)Krankheiten, Behinderungen, Missbildungen? Hat Gott auch dies geschaffen und für sehr gut befunden? Da komme ich nicht mit. Ich habe selbst eine Tochter mit einer Behinderung. Einmal las ich den Satz, dass solche Menschen „nicht ganz vollkommen” sind. Ja, sind Menschen ohne Behinderung vielleicht vollkommen? Meine Antwort steckt in der Erklärung meines Blogtitels “VollkommenBesonders.” Gibt es überhaupt einen Menschen der vollkommen ist? Ich wüsste nicht, und auch die Bibel sagt dazu nein, andererseits bejaht sie dies auch.

Wenn man genauer hinschaut, ist das gar kein Widerspruch, sondern die Auflösung des Problems. In Psalm 139,13-14.16 steht:

„Du hast alles in mir geschaffen und hast mich im Leib meiner Mutter geformt. Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl. Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war.“.

Gott hat ein perfektes Bild von jedem Menschen, er hat sich ausgedacht, wie mein Körper gestaltet sein soll und welche Persönlichkeit darin wohnen soll und das Ganze für sehr gut befunden. Allerdings hat seit dem Sündenfall das Böse Macht auf dieser Welt gewonnen und ist daran interessiert, die perfekte Schöpfung Gottes kaputt zu machen. Gott hat keine Krankheiten geschaffen und auch keine Missbildungen geplant, aber je weiter und je länger wir von der perfekten Schöpfung (dem Paradies) entfernt sind, in dem alles noch vollkommen war, desto mehr Zerfall erleben wir, das macht selbst vor den Genen nicht halt. So kann auch schon bei der Entwicklung eines Kindes im Mutterleib der perfekte Plan zerstört sein und ein Kind mit Behinderungen, Krankheiten oder Missbildungen heranwachsen. Gott hat es nicht so geschaffen, aber er hat es zugelassen, dass es so das Licht der Welt erblickt.

Das Wunderbare ist, dass Gott mich so ansieht, wie er sich mich gedacht hat.

Er liebt dich wie du bist und hat gleichzeitig vor Augen, wie er sich dich gedacht hat und was aus dir noch werden kann. Er will dich innerlich und äußerlich heilen und wiederherstellen, umgestalten in sein (Eben)Bild (vgl. 2.Korinther 3,18). Das geschieht Stück für Stück, wenn du mit ihm lebst, auch mal durch ein Wunder in kleinerem oder größerem Umfang, vollkommen werden wir hier auf dieser Welt nicht, das werden wir sein, wenn wir als seine Kinder bei ihm in der himmlischen Herrlichkeit sein dürfen.

Für Gott bist du wunderschön, wertvoll und liebenswert, einfach, weil er dich gemacht hat.

“In meinen Augen bist du kostbar und wertvoll und ich liebe dich.” (Jesaja 43,4a)

Weil ER das zu mir sagt, kann ich es annehmen und glauben und muss nicht glauben, was andere über mich sagen oder mir selbst die Wirklichkeit schön reden. Ich weiß aber auch, dass ich in meinem Leben in dieser Welt, in der alles einen Knacks hat, nicht ganz diesem Plan Gottes für mich entspreche. Ich muss nicht alle meine Fehler für schön erklären, um mich selbst mögen und annehmen zu können. Aber ich hoffe darauf, dass er mich ganz in dieses vollkommene Bild verwandeln will.

Was ist Gottes Schönheitsideal?

Perfekte Schönheit aus Gottes Sicht lässt sich nicht als Bild einer einzelnen Traumfrau bzw. eines Traummannes darstellen.

Gott hat ein Prinzip mit unendlich vielen Variationsmöglichkeiten der verschiedenen Merkmale geschaffen. Dabei stellen stimmige Proportionen, Symmetrie und Harmonie ein natürliches Gleichgewicht zwischen den ausgewählten Merkmalen her. Gott schuf aus dem Chaos eine wohlgeordnete Welt, in jeder Beziehung stimmten die Verhältnisse und das Ergebnis  nannte er schön.
Interessant im Bezug auf unser ästhetisches Empfinden ist auch, dass wir uns oft von dem angezogen fühlen und das besonders bewundern, was wir selbst nicht haben. In einem Land wie Schweden, in dem die Mehrheit der Bevölkerung blond und blauäugig ist, werden braune Augen und braune Haare als besonders attraktiv angesehen, bei dunkelhäutigen und braunäugigen Völkern oft blonde und blauäugige Menschen. Wir mögen keine massenhafte Gleichförmigkeit, lieber das Individuelle – und genau so hat Gott uns auch erschaffen: jeden als völlig einzigartige Persönlichkeit, Gott hat sich bei jedem von uns etwas Besonderes ausgedacht.

Eigentlich verrückt, dass wir uns da von den Medien verleiten lassen, dem einen Modetrend und künstlichen Schönheitsideal nachzueifern, anstatt das Besondere am eigenen Typ zu entdecken und schätzen zu lernen.

Lerne deinen Typ kennen und schätzen, versuche nicht, jemand andres darzustellen als du bist. Sei gnädig mit deinen Fehlern, denn niemand ist perfekt. Nimm das Leben als Vertrauens-Training. Gott hat einen wunderbaren Plan für dich. Freu dich auf Vollkommenheit im Himmel.

Äußere und innere Schönheit

Die innere Schönheit ist bei Gott nicht weniger wichtig als die äußere Schönheit.
An ihm Selbst und seinen Eigenschaften wie Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Treue, Sanfmut usw. sehen wir innere Schönheit in Perfektion.

Die innere, charakterliche Schönheit macht einen Menschen auch äußerlich attraktiv, z.B. durch das Strahlen der Augen, aus denen Freundlichkeit und Güte spricht.

Selbst ein äußerer Makel wie eine Narbe wird schön, wenn er von aufopferungsvollem Einsatz oder liebevoller Hingabe für andere zeugt. Die Nägelmale an Jesu Händen und Füßen sind das stärkste Beispiel dafür.

Liebe Mütter, deswegen könnt ihr eure Schwangerschaftsstreifen mit Würde als Auszeichnung tragen. Die vom Kinderhaben veränderten Körperformen zeugen von eurer Liebe und dem Einsatz eurer Kräfte, die grauen Haare und Falten von Lebenserfahrung, die euch richtig verarbeitet, reifen und weise werden lassen und – aus Sicht der Bibel und auch anderer Religionen – mit Ansehen und Würde ausstatten.

Diese Schönheit ist echt und erfreut mehr als die äußere künstlich mit übermäßigem Training und maskierendem Makeup hergestellte.

Äußere, körperliche Schönheit birgt die Gefahr, die innere zu vernachlässigen.
Innere Schönheit kann durch Fehlen der Äußeren sogar noch heller strahlen, sie würdigt die äußere aber nicht herab.

Was macht mich schöner?

Eine sehr kräftige Frau sagte mal auf die Frage ihrer Tochter, wie sie sich im Schwimmbad wohlfühlen und schön fühlen könnte: “Es ist alles relativ. Ich suche mir jemanden, der noch dicker ist, als ich bin, stelle mich daneben und dann fühle ich mich besser und schlanker.”
Es ist gefährlich, sein Selbstwertgefühl aus dem Vergleich mit anderen zu ziehen, aus der Abwertung eines anderen, es davon abhängig zu machen, dass man aus den Wettbewerb als Sieger hervorgeht.
Viel tragender ist es, wenn ich meinen Wert aus meiner Identität als ein von Gott geliebter und wunderschön erschaffener Mensch ziehe.

Meine innere Schönheit kann reifen, wenn ich mich von Seinem heiligen Geist verändern lasse:

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. (Galater 5,22)

In Gottes Augen sind alle Menschen schön, es ist nur nicht alles sichtbar.

Mein Artikel ist ein Beitrag zu Johannes Hartls Aufruf, unter dem Hashtag #wasistschön über Schönheit zu diskutieren. Im Gebetshaus Augsburg gibt es diese Woche eine ganze Konferenz zu dem Thema. Es geht um Kunst und die Schönheit Gottes.

 

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