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Mit dem Vaterunser beten

– Impulse zum Beten für Kinder, Familien, für das gemeinsames Gebet und deine persönliche Zeit mit Gott –

Stell dir vor, du lebst mit jemandem zusammen und redest gar nicht mit ihm. Das geht eigentlich gar nicht, und wenn doch, ist es zumindest eine ziemlich schwierige Beziehung. Es erscheint logisch, dass das im Gesprächsein zu einer gesunden Beziehung dazu gehört, gilt das nicht auch für mich als Kind Gottes für meine Beziehung zu Gott?

Dietrich Bonhoeffer schreibt:

Die Kraft des Menschen ist das Gebet.
Beten ist Atemholen aus Gott.
Beten heißt, sich Gott anvertrauen.

Wie Atemholen ist das Beten lebenswichtig für meine Seele.
Aber es geht nicht nur um mich, es geht um Gott und auch um meine Mitmenschen.
Einer meiner Lieblingsbibelverse ist eine wunderbare Verheißung für das Gebet:

Jesus spricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei. (Johannes 16,23-24)

Ich staune: Ein Gebet, das ich in Jesu Namen spreche, eines, dass seinem Willen entspricht, was ich an seiner Stelle in seiner Vollmacht bete, hat die volle Verheißung erfüllt zu werden!

So kraftvoll möchte ich gerne beten können!
Schon vor vielen Jahren ist mir in Zusammenhang mit diesem Wunsch ein Text als Anleitung zum Beten wichtig geworden. In der Bergpredigt erklärt Jesus wie und was wir beten sollen und lehrte die Jünger
DAS VATERUNSER!
In diesem Gebet findet alles seinen Platz, was dazu gehört: Anbetung mit Lob und Dank, Schuldbekenntnis, Bitten für Gottes und meine Anliegen und Fürbitte.

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Einige weitere Verse sind mir wichtig, weil sie zeigen, welche Bitten in jedem Fall Gottes Willen entsprechen:

Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Timotheus 2,4)

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung (ihm ähnlicher werden, Trennung von dem, was nicht zu ihm passt). (1.Thessalonicher 4,3)

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Römer 12,2)

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. (1.Thessalonicher 5,18)

Wichtig finde ich auch, dass Paulus daran erinnert, dass wir uns vom heiligen Geist leiten lassen sollen, wenn wir nicht wissen, was und wie wir nach Gottes willen beten sollen:

Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.

Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt für die Heiligen ein, wie Gott es will. (Römer 8,26-27)

Freies Gebet oder vorformulierte Gebete?

Ich bin sehr für das freie Gebet. Aber wenn ich ehrlich bin, schleichen sich darin auch oft Floskeln ein, die ich immer wieder gleich bete, so frei ist es dann also gar nicht.
Und ich bleibe auch schnell mal immer wieder an meinen Lieblingsbitten hängen und vernachlässige dafür andere Themen.
Warum dann also nicht präzise formulierte und inhaltlich ausgewogene feste Gebete sprechen?
In Zeiten eigener Sprachlosigkeit ist das überhaupt die Rettung.
Das eine schließt das andere nicht aus, ich finde, es ist sehr bereichernd beide Gebetsformen zu praktizieren.

Eine große Hilfe nah am Willen und am Wort Gottes zu beten und das freie und vorformulierte Beten miteinander zu verbinden, ist das Beten mit Bibelversen.
Vor einiger Zeit hat Martha von Familienleben mit Gott schon manches Lesenswerte zu diesem Thema  in ihrer Themenreihe Beten mit Bibelversen gesammelt. Ich finde es z.B. aus folgenden Gründen hilfreich, einen Bibelvers zu beten: man bleibt nicht immer in den gleichen Phrasen hängen, erinnert Gott an seine Zusagen (bzw. hält Gott damit sein Wort vor, vgl. Ps27,8), wird an seinen Willen erinnert, kann den Vers in eigenen Worten wiedergeben und weiterdenken, “ausbeten”.

Wie betest du das Vaterunser?

Wir sprechen es gerne einfach so, wie es in der Bibel steht, das ist auch gut und ich finde es auch wichtig, dass unsere Kinder es auswendig lernen.
Es ist jedoch nicht gut, wenn wir es nur auswendig hinunter leiern, ohne die Bedeutung dessen, was wir sagen, zu verstehen oder sie uns bewusst zu machen.

Hier hilft mir, den Text einmal mit eigenen Worten wiederzugeben und dabei zu fragen, was er für meine persönliche Situation bedeutet. Beim Nachdenken darüber ist dieses Gebet nach dem Vaterunser für meine Kinder entstanden:

Dieses Gebet in 5-Wort-Sätzen eignet sich vor allem zum Beten und Auswendiglernen mit kleineren Kindern. Tipps wie man damit das Beten einüben kann, kannst du in meinem Artikel mit meinem Gebet nach Psalm 23 nachlesen.

Der volle Inhalt des Vaterunsers ist mit diesem Gebet noch lange nicht ausgeschöpft. Eine weitere Hilfe ist, nach jedem Vers mit den Gedanken, die einem dazu kommen weiterzubeten. Man kann sich zum Beispiel an jedem Tag der Woche eine Bitte vornehmen oder in der Gebetsgemeinschaft aufteilen, wer welche Bitte weiterbetet.

In einer Familiengebetszeit machen wir das manchmal folgendermaßen.
Alle sprechen einen Satz vom Vaterunser. (braun)
Wer kann spricht den passenden Satz aus dem übertragenen Gebet (vielleicht auch nur mit Fingerabzählen oder Schlüsselworten – siehe Erklärungen hier). (türkis)
Wer mag betet einen Satz in eigenen Worten dazu weiter. (blau und eigene Gedanken)

Zur Erklärung und Anregung möchte ich dieses Gebet mit euch teilen:

Mit dem Vaterunser weiter beten

Unser Vater im Himmel!
Mein lieber Vater im Himmel.
Danke, dass ich dein Kind sein darf…
Danke, dass du mich aus lauter Liebe angenommen hast.
Danke, dass ich zu dir kommen kann, wie ich bin.

Dein Name werde geheiligt.
Dir gehört Respekt und Ehre.
Niemand ist dir gleich…
Du bist besonders und vollkommen, heilig und gut.
Ich lobe dich, weil du (Name/Eigenschaft Gottes, z.B. der Allmächtige, der Gute Hirte, die Liebe) bist.

Dein Reich komme.
Ich will mit dir leben.
Ich sehne mich nach deinem Friedensreich.
Du bist ein gerechter und gnädiger Herrscher…
Lass dein Wirken in meinem Leben sichtbar werden.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Lass geschehen, was dir gefällt.
Du weißt, was das Beste für mich ist.
Hilf mir dir ähnlicher zu werden und dir zu folgen.
Hilf den Politikern, weise Entscheidungen zu treffen.
Lass die Menschen die Wahrheit erkennen und deine Rettung annehmen.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Du weißt, was ich brauche.
Bitte gib mir genug:… Essen, Trinken, Kleidung, Wärme, Schutz…
Bitte gib mir neue:… Kraft, Gesundheit, Hoffnung, Wegweisung, Ideen…
Bitte gib mir mehr:… Liebe, Glauben/Vertrauen, Mut…
Bitte gib es mir heute.

Und vergib uns unsere Schuld,
Bitte vergib mir meine Schuld.
Ich bekenne…
Jesus, ich danke dir, dass du für meine Schuld bezahlt hast.
Jesus, ich danke dir, dass du so gnädig zu mir bist.

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Ich will anderen  auch vergeben.
Ich vergebe (Name), dass…
Ich will (Name) keine Schuld mehr nachtragen.
Ich will mich nicht an (Name) rächen.

Und führe uns nicht in Versuchung,
Leite mich den richtigen Weg.
Bewahre meine Augen/ Ohren/ Sinne, was sie wahrnehmen.
Bewahre meine Gedanken und Gefühle, was sie bewegen.
Hilf mir, richtig zu reden und zu handeln.

sondern erlöse uns von dem Bösen.
Befreie mich von allem Bösen.
Mach mich frei, von allem, was mich gefangen nimmt. (Süchte, Zwänge…)
Mach mich frei, von allem, was mir Schaden zufügt. (andere Menschen, eigenes Verhalten, Gefühle…)
Mach mich frei, von allem, was mich beunruhigt. (Sorgen, Ängste…)
Schütze mich vor dem Einfluss des Bösen.

Denn dein ist das Reich
Du bist König der Welt.
Du herrschst über alles und jeden.
Regiere du in meinem Herzen.

und die Kraft und die Herrlichkeit
Du bist stark und wunderbar.
Du bist allen Feinden überlegen.
Mit dir bin ich auf der Siegerseite.
Danke, dass du mir hilfst/ geholfen hast. (evtl. konkrete Gebetserhörung)

in Ewigkeit. Amen.
Für immer und ewig, Amen!
Gestern, heute und an jedem neuen Tag.
Amen.

Himmelsschlüssel

Zum Beten brauchst du eigentlich nichts als ein offenes Herz, das mit Gott reden und auf ihn hören will. Du brauchst kein Konzept. Ich bin trotzdem dankbar, dass Jesus uns das Vaterunser gelehrt hat, an dem ich mich betend entlang hangeln kann. Ist es nicht unglaublich ermutigend, dass jedes Gebet in seinem Namen nach seinem Willen erhört wird!

Welche Erfahrungen hast du mit dem Vaterunser gemacht?
Ich freu mich, wenn du sie hier in den Kommentaren mitteilst.

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7 thoughts on “Mit dem Vaterunser beten

  1. Liebe Jojo, mir gefällt deine Version des Vaterunsers total! Ich mag das Gebet sowieso – es ist kraftvoll und sehr nah am Leben. Vorformulierte Gebete lernte ich schätzen, als ich mich in einer “geistlichen Wüstenzeit” befand. Sie halfen mir zu beten, und ich konnte mich an den Worten von anderen, die voll Vertrauen waren, festhalten. – Für meine Familie habe ich sog. “Crafted Prayers” verfasst: Gott gefragt, was ich beten soll, das aufgeschrieben und in ein Gebet formuliert, fertig. Auch wenn ich es nicht täglich bete, ist es doch ein grosser Segen für mich (und hoffentlich für unsere Familie!). Danke für deinen Blogpost! Herzlichst Sonja

  2. Liebe Sonja, das freut mich. Mir ging es genauso, ich habe vorformulierte Gebete auch in einer Wüstenzeit für mich wiederentdeckt :) . Vielleicht magst du dann auch mein Gebet zu Psalm 23 https://www.vollkommenbesonders.de/2018/02/15/ein-gebet-nach-psalm-23/ Meine Große wollte es immer für den Opa beten, der im Sterben lag – und es hat täglich mein Vertrauen auf Gott gestärkt.
    Die “Crafted Prayers” für die Familie sind auch eine tolle Idee. Hast du darüber mal gebloggt? Dann lass gerne einen Link hier. Ganz liebe Grüße, Jojo

      1. Liebe Sonja, danke für den Link, eine tolle Ergänzung hierzu. Deine Anregungen finde ich richtig gut. Ich erinnere mich, das schon mal gelesen zu haben, aber wusste nicht mehr wo. Liebe Segensgrüße, Jojo

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