Auftanken - Ausbrennen, Nachgedacht, Thematisiert

Neue Kraft (2) – die Sache mit der Abtauautomatik

Hast du auch so einen Gefrierschrank mit Abtauautomatik, – die irgendwie noch nie so richtig funktioniert hat? Nachdem ich mich darüber mehrmals gründlich geärgert habe, hat sich meine Haltung dazu geändert, ich finde, das Problem macht den Kühlschrank irgendwie sympathisch, ja menschlich, ich sollte ihn mir geradezu zum Vorbild nehmen, aber dazu gleich noch mehr.

Pünktlich bevor der letzte Tropfen im Heizöltank verbraucht war (in neue Kraft Tanken (1) kannst du unser Problem nachlesen), bekamen wir in der letzten Woche unsere Heizöllieferung, und danach konnte ich mich mit den Kindern so richtig über die angekündigte Dauerfrostperiode freuen.
Einerseits, um doch noch einmal Eislaufen zu können auf einem See, was für mich das Schönste an einem richtigen Winter ist (darüber habe ich hier schon einmal geschrieben).
Andererseits, weil ich auf die Gelegenheit wartete, meinen Gefrierschrank ausräumen und den Inhalt kistenweise in den Garten stellen zu können, damit ich den Gefrierschrank einmal ordentlich abtauen kann – mittels Steckerziehen, denn die Abtauautomatik arbeitete wieder mal seit langem nicht mehr richtig.

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Und da bin ich schon wieder beim Thema Energie.
Als ich beginne, das Abtauen zu planen, erinnere ich mich daran, dass schon innerhalb der Garantiezeit das erste Mal im Gefrierschrank soviel Eis gewachsen war, dass ich die unterste Schublade kaum herausziehen konnte und schon das Schmelzwassser zur Tür hinauszulaufen begann.
Während ich nach meinem Fehler für das erneute Vereisen suche, halte ich plötzlich inne und erkenne: Das, was mir der gerufene Servicemitarbeiter damals über das Innenleben und die Funktionsweise des Kühlschranks erklärte, klingt wie eine Gebrauchsanweisung für meinen persönlichen Energiehaushalt.

Der Servicetechniker befand, dass mein Kühlschrank vollkommen in Ordnung war. Wir seien nur nicht richtig mit ihm umgegangen, sagte er, da helfe nur noch Stecker ziehen. Tat’s und schraubte die innere Rückwand ab, um mir die Sache zu erklären.

Und nun lernte ich:

Hinter der Verkleidung befinden sich die Lamellen des Kühlaggregates, darunter eine Rinne mit einer trichterförmigen Ablauföffnung. In regelmäßigen Abständen legt der Motor des Kühlaggregats eine kurze Auftauphase ein, damit der Reif, der sich an den Lamellen festgesetzt hat, auftauen und abtropfen kann. In der Rinne werden die Wassertropfen aufgefangen und durch die Ablauföffnung auf die Rückseite des Kühlschranks zum Verdampfen befördert.
Aha, denke ich. Mein Körper braucht regelmäßige Regenerationspausen, um das, was mich ermüdet und Kraft raubt, loszuwerden, um so die volle Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Wenn die Lamellen zu sehr vereist sind, gelingt es nicht mehr, den Reif in den Auftauphasen völlig abzuschmelzen und es bilden sich Eiszapfen. Dann kann es mit der Zeit passieren, dass ein Zapfen abbricht und sich unten in der Trichteröffnung der Ablaufvorrichtung festsetzt. Der Effekt ist: Es kann kein Tauwasser mehr zum Verdunsten abfließen  und somit sammelt es sich in der Rinne, vereist, der Motor braucht immer mehr Kraft für immer schlechtere Kühlergebnisse und schließlich läuft das getaute Wasser in den Innenraum des Kühlschranks. Dann hilft nur noch die radikale Therapie: Steckerziehen und lange genug warten, bis alles getaut und abgeflossen ist.
Tja, das kommt mir auch bekannt vor. Wenn die regelmäßige Regeneration nicht stattfinden kann, dann rotiert man immer mehr und schafft doch immer weniger. Dann braucht man einmal eine richtige Auszeit.

Das übermäßige Vereisen am Kühlaggregat entsteht z.B., wenn man den Gefrierschrank zu voll stopft und die kalte Luft darin nicht mehr zirkulieren kann, wenn man zu warme Speisen hineinstellt oder man die Tür zu lange auflässt.
Hier merke ich mir einfach mal:
Ich sollte meinen Alltag nicht mit zu viel Arbeit und Terminen vollstopfen, es muss noch etwas Ruhe dazwischen passen.
Nicht alles, was sich mir aufdrängt, muss ich auch gleich in Angriff nehmen (nicht zu heiß weiterverarbeiten).
Es ist nicht gut, zu Vieles gleichzeitig erledigen zu wollen (dann bleibt die Tür zu lange offen und es kommt warme Luft hinein).

Mein Gefrierschrank hat fast 2 Tage gebraucht, um richtig abzutauen, je länger man damit wartet, desto länger muss die Regenerationszeit ausfallen, besser, man fängt bei den ersten Anzeichen damit an.

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Bist du eine Mama und fragst dich, wie das für dich im Familienalltag funktionieren soll?
Das habe ich mich jedenfalls lange gefragt, bis ich dann Anfang des Jahres notgedrungen „den Stecker ziehen“ musste.
Mein Steckerziehen war keine vollständige Auszeit, das war nicht gleich möglich, aber ich konnte den Alltag für einige Wochen auf ein Notprogramm herunterfahren und Aufgaben abgeben (quasi “in den Garten stellen”).

Das Wichtigste dabei war, auszuruhen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und ohne To-Do-Liste mit allen möglichen Ich-müsste-Eigentlichs im Nacken, ja ohne etwas Nützliches zu tun.

Das Schöne war, dass diese Zeit der Beziehung zu den Kindern sehr gut tat. Weil ich viel auf dem Sofa ausgeruht habe, waren viel mehr Gelegenheiten zum gemeinsamen Lesen, Kuscheln und für tiefergehende Gespräche da, als sonst. Jedes Kind, auch die sonst nicht so dafür zu haben sind, kam zu mir und holte sich seine Portion Mamazeit.

Und ganz ungeplant wurde diese Zeit auch produktiv, weil das Innehalten und Perspektive wechseln, sehr inspirierend war.

Alles hat seine Zeit, alles auf dieser Welt hat seine ihm gesetzte Frist.
Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht?
Mir wurde klar, dass es das Beste für den Menschen ist, sich zu freuen und das zu genießen, was er hat. (Prediger 3,1.9.12)

Es wird soviel von außen an uns herangetragen und wir machen uns meist auch selbst viel zu viel Druck, was die perfekte Mutter alles schaffen müsste.
Ich glaube, weniger ist mehr.
Das tut dem Wesentlichen, unseren Beziehungen, richtig gut.

Die Abtauautomatik bei meinem Gefrierschrank funktionierte nicht, weil ich mich nicht an die Gebrauchsanweisung gehalten und ihn permanent überfordert habe, indem ich ihn zu voll gestopft und zu viel eisverursachende Wärme hineingelassen habe.

Wenn ich mich nicht nach der Gebrauchsanweisung für meinen Körper richte(n kann), in der der Schöpfer regelmäßige Schlafphasen (Nächte) und Ruhetage (jeden 7.Tag) vorgesehen hat, dann brauche ich rechtzeitig eine Auszeit, um wieder leistungsfähig zu sein.

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft besser auf meine Regenerationspausen zu achten.

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Und wie ist es bei dir? Funktioniert deine Abtauautomatik noch, oder musst du einmal den Stecker ziehen? Wie ruhst du in deinem Alltag?

Ich kann dir übrigens das Buch „Warum Ruhe unsere Rettung ist“ von Tomas Sjödin sehr empfehlen (Martha von Familienleben mit Gott hat hier dazu eine schöne Rezension geschrieben.) Ich habe es noch gar nicht ganz durchgelesen, aber finde es passt wunderbar zu diesem Thema.
Der Untertitel lautet: „Stell dir vor, du tust nichts und die Welt dreht sich weiter“ – „Stell dir vor, du tust nichts und das Familienleben läuft weiter“!
Es ist die Rettung!

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