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Teamwork mit Wundschutzcreme

Mama Vollbes brauchte mal ganz dringend ein Mittagsschläfchen. Also überzeugte ich die Mädchen davon, dass sie eine Lesepause in ihrem Bett machen könnten, was sie auch normalerweise ganz gerne tun. Zur Sicherheit, so erklärte ich der Großen, würde ich die „Tür“ zu ihrer Betthöhle zumachen. (Man kann nämlich nicht so sicher sein, dass sie nicht, gerade während ich nichts mitbekommen kann, die größten Dummheiten anstellt.) Der Nebeneffekt davon war, dass auch die Leiter zur oberen Etage blockiert war, und auch die Kleine nicht alleine von ihrem Bett runterkommen konnte. Sie sollten mich rufen, wenn etwas wäre, legte ich ihnen ans Herz. Dummerweise war die Federung für die Schlupfsprossen am Bett des Jüngsten seit ein paar Tagen spurlos verschwunden. So konnte ich sein Bett nicht zumachen, aber er würde ja sowieso seinen dringend benötigten Mittagsschlaf machen, dachte ich. Für alle Fälle räumte ich die Cremes auf dem Wickeltisch neben dem Etagenbett auf das obere Brett und hängte die Leiter zum Wickeltisch aus, so würde der Jüngste nicht in Versuchung kommen können, hinaufzuklettern.
Nach einer halben Stunde, in der ich mehrmals aufstehen und den Jüngsten von der Legokiste zurück ins Bett verfrachten und die kleine Tochter ermahnen musste, ihre Lieder nicht zu brüllen, sondern mal ganz leise in Zimmerlautstärke zu singen – wer soll denn bei dem Lärmpegel schlafen können? – kehrte endlich Ruhe ein… und ich schlief tatsächlich ein.

Bis ich plötzlich geweckt wurde. Die kleine Tochter rief. „Mama, der Zahlenknobler nimmt die Creme!“ Das letzte Stichwort ließ mich ziemlich schnell wach werden. In dem Wissen, dass er unmöglich die Creme erreichen konnte, eilte ich fragend ins Kinderzimmer.

Der Jüngste saß vor dem Bett der Großen und hatte vor sich eine leere Dose Wundschutzcreme, die vor einer halben Stunde noch fast voll gewesen war. Mit der Hälfte der 150ml Creme hatte er hingebungsvoll die Plüschspieluhr der Großen einbalsamiert, dazu das Bettgitter, seinen Schlafsack, sein Gesicht und vor allem seine Haare. Mit der anderen Hälfte der Creme hatte er sorgfältig 50cm² vom Teppich vor sich eingecremt. Der Kinderkamm hatte ihm dabei anscheinend als Spachtel gedient, ein paar weitere herumliegende Teile hatten versehentlich auch noch etwas abbekommen.

Ich habe leider kein Foto von der schönen Bescherung gemacht, ich war einfach zu wütend über den Verlauf meiner Mittagspause.

Aber alle Achtung, das war gute Teamarbeit, was meine Liebsten da geleistet haben. An die Creme konnte eigentlich nur meine Kleine herankommen, an die Spieluhr und den Kamm nur die Große. Die Kleine versicherte mir allerdings ziemlich glaubhaft, dass sie die Creme nicht genommen hatte. Also hatte die Große dafür Verrenkungen angestellt, die ich ihr nicht zugetraut hätte, und die Kleine hat den anderen und sich den Spaß gegönnt und mich erst gerufen, als die Dose leer war.

Die Federung für die Sprossen lag nach der Cremerei auch ganz unschuldig im Bett der Großen.

Fürs Haarewaschen habe ich dann ungefähr ein Drittel der Schampooflasche verbraucht, den Teppich werden wir wohl nie wieder so ganz hinkriegen, das Sauberschrubben hat eine ordentliche Beule entstehen lassen, aber so langsam kann ich über die Aktion schmunzeln.
Ich bin doch ein klein wenig stolz auf meine Drei, dass sie so gut zusammenhalten, zusammenarbeiten, einander helfen und gemeinsam Unfug aushecken. So soll das doch sein, bei Geschwistern.

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4 thoughts on “Teamwork mit Wundschutzcreme

  1. Das ist eine schöne Story über die man (mit Abstand) wirklich schmunzeln kann. Und ich glaube, das kommt in jeder Familie vor.

    Hier kurz unsere Story: Wir wollten umziehen und ich hatte tagsüber jede Menge Kisten gepackt und beschriftet – mit einem grünen (zum Glück wasserlöslichen) Filzstift. Diesen Stift habe ich leider im Kinderzimmer liegenlassen und unsere Große (damals gerade zwei) hat nach dem Zubettgehen damit sich, die Bettwäsche und ihre Puppe verschönert ;) Am längsten hat der Stift auf L.s Haut gehalten ;)

    Das Gute daran: man hat eine lustige Geschichte selbst erlebt, die man gern weitererzählt ;)

    Liebe Grüße
    Anja

    1. Genau, mit genügend Abstand erzählt man solche Geschichten sicher gerne noch den eigenen Enkeln oder so :) .
      Wahrscheinlich gibt es wirklich in fast jeder Familie so eine Story mit Creme oder Stiften, das sind, glaub ich, sehr verlockende Dinge für experimentierfreudige Kinder.
      Wie gut, dass du einen wasserlöslichen Stift genommen hast und alles wieder rausgegangen ist!
      Liebe Grüße zurück, Jojo

  2. So eine Story haben wir auch. Die Kinder haben zu dritt in unserem winzigen Schlafzimmer gespielt. 1m Schrank und 1,60m Bett. Mehr gab es in dem Raum nicht. Ich hab angefangen aufzuräumen. Ein Zimmer. Das nächste. Ein drittes. So viel Ruhe zum Putzen hatte ich noch nie. Was machen die da? Aber eigentlich kann nichts passieren und wenn ich jetzt reingehe, ist die Ruhe vorbei. Es hat sicher über 2 Stunden gedauert. Die ganze Wohnung war sauber und ich mega entspannt. Ein wundervoller Tag. Als ich dann mal die Tür einen Spalt öffnete, strahlten mich 6 Augen begeistert an. „Mama, wir spielen Winter! Spielst du mit?“ rief die Große und ihr Bruder bekräftigte das ganze in dem er ein wenig „Schnee“ in die Luft warf. Das ganze Zimmer war weiß. Das Kissen meines Mannes eine leere Hülle 😉
    Mir war in dem Moment klar, dass das eine wunderschöne Erinnerung aus der Kindheit für die drei werden könnte. Auf keinen Fall wollte ich dieser Erinnerung einen negativen Beigeschmack geben. Da sollte keine schimpfende Spielverderberin im Türrahmen stehen. Also warfen wir noch ein paar Schneebälle, aber irgnendwann war es Zeit die Kissenfüllung einzusammeln. Dafür waren dann aber alle zu schlapp und irgendwie musste ich dann doch schimpfen 😥

    1. Ja herrlich! Das ist auch ein Erlebnis zum immer wieder Erzählen und Lachen. In der Situation schon das ganze mit Humor zu nehmen, ist manchmal eine ziemliche Herausforderung und glückt mir auch nicht immer :) . Danke fürs Teilen. Liebe Grüße, Jojo

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