Erprobt, Haushalt

Perfekte Hausfrau ade

Hiermit bekenne ich mich dazu, keine gute Hausfrau zu sein.
Um die Sache noch irgendwie zu retten, habe ich meinen Haushalt rationalisiert.
Ich, die ich früher stets darauf geachtet habe, dass die linke Seite der Handtücher beim Zusammenlegen nach innen kommt, die Webkante am Knick zu sehen ist und im Schrank schön gleichmäßig übereinander zu liegen kommt, ich habe gemerkt, dass mir Wäschelegen, Bügeln und Putzen vor allem deshalb zuleide ist, weil ich es zu perfekt machen will.
Weil ich also für perfektes Wäschelegen, Bügeln und Putzen keine Zeit und wenn doch, meist viel interessantere Dinge zu tun habe, ließ ich es zuletzt gleich bleiben. So lebte ich von Woche zu Woche mit Wäschebergen in Wäschekörben, die darauf warteten, zusammengelegt und in die Schränke verteilt zu werden, und wenn die Schränke allmählich leerer wurden, wühlte ich mich morgens durch den Berg im Korb um für jedes Kind zwei passende Socken aufzutreiben. In der Wohnung sammelte sich der Dreck nicht nur in den Ecken, in denen man nicht mal eben schnell mit dem Staubsauger hinkommt, sondern überall, da ich ja keine halben Sachen machen kann.

Beim Auto Freikratzen kam mir endlich die einleuchtende Erkenntnis. Ich hatte morgens eigentlich nie Zeit, noch schnell alle Scheiben freizukratzen, um mit ordentlicher Sicht pünktlich in der Kita zu erscheinen. Ohne Kratzen und ohne Sicht kann man aber leider gar nicht fahren. Und so habe ich notgedrungen festgestellt, dass es auch reicht, wenn man streifenweise kratzt, (alle sichtrelevanten Ecken und Flächen) der Rest erledigt sich im Laufe der Fahrt von selbst.

Nun rationalisiere ich auch im Haushalt, ich trau mich kaum zu sagen wie:
Bügeln habe ich sowieso schon immer vermieden, wo es ging, lieber knitterfrei zusammenlegen! Jetzt bin ich noch einen Schritt weiter. Man kann sich auch eine Menge Zusammenlegen sparen, wenn man mehr Bügel und Körbe in den Schränken verwendet. Besser, als immer wieder für jeden einzelnen aus dem riesigen Berg aller etwas heraussuchen zu müssen.
Für den schlimmsten nassen Dreck, den man an verregneten oder verschneiten Tagen ins Haus trägt, steht gleich der Wischmopp in der Ecke parat, nicht gerade dekorativ, aber immer noch besser, als die Dreckwasserflecken in der Diele verteilt. Für die Krümel unterm Küchentisch ist ein entsprechender langstieliger Feger mit Schaufel schnell zur Hand.
Was die übrige Putzerei betrifft, da habe ich einen sehr lieben Allerbesten: Der nimmt sich der Sache regelmäßig an, nicht so perfektionistisch wie ich, aber so kommen wir zu mehr als nur zweimal Großputz im Jahr oder so ähnlich.

So, jetzt habe ich mich geoutet.
Bei mir sieht es nicht perfekt aus, aber ich finde es gemütlicher, wenn nicht alles zum Ablecken sauber und steril aufgeräumt ist. Es stört mich aber auch immer wieder, dass es nicht so ordentlich aussieht, dass man es ästhetisch ansprechend nennen könnte. Ich will mich trotzdem trauen, spontanen Besuch zu empfangen und wenigstens so viel Energie in den Haushalt stecken, dass meine Familie sich nicht für unser Aussehen und das unserer Wohnung schämen muss. (Was auch wieder ein sehr relatives Empfinden ist. Zum Glück haben wir da unsere Ansprüche für unsere momentane Lebensphase bereits gemeinsam heruntergefahren.)

Mir bleibt zu hoffen, dass die jetzige zeit-, dreck-, wäsche- und überhaupt arbeitsintensive Phase mit Kleinkindern irgendwann vorüber geht. Vielleicht macht mir das Ganze dann ja irgendwann mal richtig Spaß, wenn ich in aller Seelenruhe und aller Zeit der Welt meinen Gedanken nachhängen kann, während ich einen Vormittag ganz mit mir allein beim Wäschelegen und Wischen verbringe, und ich am Abend immer noch Erfolgsspuren meiner Arbeit bewundern kann. Vielleicht – vermutlich habe ich die Zeit dann längst mit anderen Projekten vollgestopft.

“Rauf auf die Bäume, der Wald wird gefegt!”, pflegte mein Vater zu sagen. Das kommt bei uns sicher nicht vor, nicht nur aus ökologischen Gründen ;) !
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2 thoughts on “Perfekte Hausfrau ade

  1. Oh, so ähnlich ist das hier auch – ich habe mich an einen gesunden Pragmatismus gewöhnt. Grundhygiene und keine Krümel an den Füßen, wenn ich barfuß laufe, aber doch die ein oder andere Staubschicht auf dem Schrank. Ich meine aber, man hat mit Kindern gar keine andere Wahl: entweder man genießt die Zeit mit ihnen, oder man rennt mit Staubsauger und feuchtem Lappen bewaffnet ständig hinter ihnen her und putzt. Und schließlich und endlich darf man ja auch sehen, dass in der Wohnung Menschen LEBEN – ist ja keine Möbelausstellung! Dein Blog gefällt mir :-)

  2. Herzlich willkommen auf meinem Blog!
    Das sehe ich auch so: lieber investiere ich meine Zeit in meine Kinder als in einen perfekten Haushalt. In einer Möbelausstellung leben?! Nein danke, nur etwas für die Leute, denen ein Kind zuviel kostet, um auf deinen Post Bezug zu nehmen.
    Habe allerdings an mir und anderen festgestellt, dass das Verständnis für meine Prioritätensetzung meistens erst entsteht, wenn man selbst mehrere Kinder hat.

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