Muttersein, Nachgedacht

Ein Bild von mir

Manchmal sitze ich da, wenn ich einen neuen Blogpost schreiben will, und frage mich, was für ein Bild bei meinen Lesern entsteht, wenn ich von der xten Schwierigkeit in Folge berichte oder dem xten kleinen Wunder, dem xten Stolzsein auf meine Kinder, der xten erlebten Ungerechtigkeit, der xten nervigen Bagatelle. Nur von Klagen mag doch keiner lesen, aber wenn ich nur von wunderbaren Erfolgen schreibe, ist das auch nur die halbe Wahrheit. Manchen Artikel habe ich mir dann auch mal verkniffen. Die richtige Mischung sollte es sein, nur will sich mein Leben nicht so ganz daran halten, immer gut durchgemischt voranzueilen, es lebt sich immer phasenweise besser oder schwerer.

Genauso eben, wie ich meine Rollen darin mal besser und mal schlechter ausfülle.
Von der perfekten Hausfrau, Mutter und Ehefrau mit Zusatzjob bin ich weit entfernt. Dafür habe ich meinen Perfektionismus mittlerweile ein wenig unter die Füße gekriegt. Sonst würde ich wohl verrückt dabei werden, wie ich mit Kindern, Mann, Wäschebergen, Kochlöffel, Geschirr, Wischmopp, Terminen, Telefonen, Papierstapeln, Gießkannen und ähnlichem jongliere und dabei so einiges fallen lasse oder selbst über den ein oder anderen Stolperstein oder das Chaos am Fußboden falle.

Ich bin die Hausfrau, die lieber Klavier spielt als putzt, lieber liest als Wäsche legt, die lieber bloggt als Bürokratie zu erledigen, lieber töpfert als Wäsche stopft und bügelt.
Ich bin die Frau, die lieber knobelt als Kuchen bäckt, obwohl ihr Mann so gerne welchen isst. Die den Kuchen erst, wenn die Gäste schon in der Tür stehen, aus dem Ofen holt und dann feststellt, dass die Esser mal wieder unter ihrer Experimentierfreudigkeit leiden müssen. Und die froh ist, wenn das Geschirr, wenn der Besuch kommt, wenigstens im Abtropfgestell steht, anstatt sich dreckverkrustet daneben zu stapeln.
Hier schreibt die Hausfrau, die allem anderen mit mehr Leidenschaft nachgeht als dieser Tätigkeit. Ja, ich habe ein FSJ in der Hauswirtschaft gemacht, aber hauptsächlich wegen den Menschen, mit denen ich dort zusammenleben konnte, ihrem überzeugend gelebten Christsein, der wunderschönen Natur. Und eben deswegen, weil ich eine Familie haben und deshalb lernen wollte, den anfallenden Haushalt wenigstens möglichst effektiv und schnell zu bewältigen.

Ich bin die Mutter, die lieber den Kindern vorliest, als am Telefon zu hängen, um etwas zu organisieren, die lieber singt, als einkaufen zu gehen. Die Mutter, die ihre Kinder lieber im Garten im Dreck rumwühlen lässt als vom Babyschwimmen zum Englischkurs zu fahren.
Ich bin die Frau, die anscheinend meist die Ruhe behält, aber auch die Ruhe weg hat und mit der Pünktlichkeit auf Kriegsfuß steht. Die Mutter, die ihre Kinder fast nie pünktlich ins Bett und auch nicht aus dem Bett bekommt.
Hier schreibt die Mutter, die nicht sofort nach der Geburt wieder arbeiten gehen, aber auch nicht ewig nur mit den Kindern zu Hause bleiben will. Die für ihre Familie alles tun will, aber auch noch eine(n) andere(n) Beruf(ung) ausüben mag.

Hier bin ich, und wundert ihr euch, dass ich mein Leben trotz allem sehr gerne lebe?
Was auch immer ihr, liebe Leser, für ein Bild von mir im Kopf habt, Hauptsache ihr lest den Titel des Blogs nicht verkehrt herum: „Vollkommen besonders“ hat nichts mit „besonders vollkommen“ zu tun! Es meint nur unsere Art, den Lebensweg unter die Füße zu nehmen.

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2 thoughts on “Ein Bild von mir

    1. Mach ich, :-) ! Und meine Leser hoffentlich auch, und wenn nicht, sollte ich mir vielleicht einfach nicht so viel d’raus machen, was sie über mich denken.

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