Kirchenjahr, Nachgedacht

Ach du Schreck, Advent

Gerade waren wir noch mit Laternelaufen und Herbstlaub beschäftigt, da wurde ich plötzlich von der nahenden Adventszeit überrumpelt und war auf dem besten Wege mich davon stressen zu lassen.
Ach du Schreck, dachte ich am Freitag, es fällt schon der erste Schnee.
Ach du Schreck, dachte ich gestern, morgen ist schon der erste Advent.
Ach du Schreck, am Mittwoch ist der erste Dezember und in nicht mal vier Wochen ist Weihnachten.
Immerhin haben wir am Freitag zum ersten Schnee doch noch die ersten Bratäpfel gegessen, haben wir gestern ein wenig Tanne, Sterne und Lichter in der Wohnung verteilt und am Abend blieb sogar noch etwas Zeit, um ein Blech Honigkuchen für den Adventstee heute zu backen. Und dann fand meine Mutter noch die Adventskalendersäckchen, die ich wohl mal in Zeiten, in denen ich noch mehr Zeit für so was hatte, für die Familie genäht hatte, und beschloss sie unsern Kindern gefüllt zukommen zu lassen.

Lass dich doch nicht stressen, du musst doch den ganzen Konsumrausch, schlemmen, schoppen, schenken nicht mitmachen, sagt die eine Stimme in mir. Aber dann ist da noch die andere, die mich daran erinnert, wieviel Spaß mir die Advents- und Weihnachtszeit als Kind gemacht hat. Willst du das deinen Kindern vorenthalten, nur weil du gerade umgezogen bist und viel Arbeit hast?

Bei allem Abwägen, wo ich bei den ganzen Weihnachtsvorbereitungen kürzen kann, erinnere ich mich daran, dass die Adventszeit früher eigentlich als Fastenzeit gelebt wurde, als Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf Weihnachten. Von wegen vier Wochen Süßkram bis zum Überdruss, eine Weihnachtsfeier nach der anderen und Weihnachtsmarkttrubel und Einkaufsstress. Und da ich nun mal ganz ungewollt mit den ganzen Vorbereitungen nicht vor dem Advent fertig geworden bin bzw. nicht mal begonnen habe, nehme ich die Adventszeit diesmal ganz bewusst als das, was sie ist: Vorbereitungszeit. Wir werden also erst nach und nach etwas Backen, etwas Basteln um die Wohnung zu verschönern und anderen eine Freude zu machen und ein paar Geschenke besorgen. Wir schaffen es gar nicht, von allem schon vorher genug zu haben, so dass wir es an Weihnachten bereits nicht mehr sehen können.

Ja, ich mag die Adventszeit selbst immer noch viel zu gerne, als dass ich auf meine rationale Stimme hören würde und einfach alle Traditionen sein lassen würde. Backen, Teepunsch, viel singen und basteln, Adventskranz, überhaupt Tannengrün und Kerzenlicht gehören für mich zum Dezember dazu und machen die kalten dunklen Tage des Jahres einfach viel schöner. Auch wenn der Heilige Abend sicher nicht der exakte Geburtstag von Jesus ist, so ist doch die Symbolik so gewählt, dass sie nicht treffender sein könnte: Wenn es für uns am finstersten und kältesten ist, kommt der Retter in unsere Welt, lernt unsere dunkelsten Stunden kennen und verbreitet mit seinem Licht Leben und Wärme, das sich von Tag zu Tag und Mensch zu Mensch mehr ausbreitet. Und wenn ich daran denke, dass Gott uns mit Jesus das größte Geschenk überhaupt gemacht hat, möchte ich auch ein bisschen Freude weiterschenken, an die, die sonst keine haben und an die, denen ich viel zu verdanken habe.

Ich glaube, es wird eine schöne Adventszeit, sie hat heute schon so begonnen.
Ich freue mich auf sie.

Loading Likes...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.