Family news

Umzug in zwei Akten

Das lange Schweigen hier soll ein Ende haben. Ich überlege nur, was ich von dem allen, was wir in der vergangenen Zeit erlebt haben, erzählen soll. Interessiert das, was uns in zweimal 10 Tagen beschäftigt hat?

Was kann man alles innerhalb von 10 Tagen erledigen?
Ein Kind gebären, zweimal noch zum Kinderarzt müssen, endlich die genaue Größe und den Zustand der Räume im neuen Haus erfahren und alles renovieren, einen Abschiedsgottesdienst mit Segnung des Babys feiern, verschiedenen Besuch beherbergen, letzte Kisten packen, Möbel, vor allem die Küchenmöbel demontieren, die neue Küche planen, sich quasi drei Tage lang überall verabschieden und auf den Umzugswagen warten.
Wer das für verrückt und unrealistisch hält, dem muss ich sagen: Wir sind wohl verrückt, aber wir haben es gut geschafft – aber auch nur, weil uns viele dabei geholfen haben und weil Gott mit seiner Hilfe da war. Danke!!

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Jetzt sind wir 10 Tage hier und haben so langsam soviel ausgepackt, dass ich wieder ein paar Minuten zum Schreiben verwenden kann.

Was wir in den letzten 10 Tagen erlebt haben?
Tag 1: Der Umzug beginnt damit, dass der für 8 Uhr erwartete Möbelwagen nicht kommt, sondern erst fünf Stunden später. Unser alter Vermieter muss plötzlich schnellstens in die Klinik eingeliefert werden, weshalb auch die für die Wohnungsabnahme zuständige Verwandte nicht erreichbar ist. Mein allerliebster Mann kommt also nicht zum Kaffeetrinken, sondern gerade pünktlich zum Kinder ins Bett bringen zur Uroma, bei der ich mich mit den Kindern schon zum Mittagessen einquartiert hatte. Eigentlich wollte mein Allerbester dann gleich noch weiterfahren, weil wir im neuen Haus am nächsten Tag schon früh morgens die Handwerker erwarteten. (Sämtliche Steckdosen sollten noch montiert werden, ein Waschbecken erneuert und der verwilderte Garten gemäht und beschnitten werden.) Schließlich fährt er dann erst morgens um 4 Uhr, da unsere Große den Umzugsstress nicht verstehen und nicht anders verarbeiten kann als mit einer großen Brüllerei und der Weigerung Einzuschlafen, vor allem, solange noch das Baby dabei ist.

Tag 2: Die Handwerker kommen tatsächlich pünktlich und erledigen ihre Arbeit. Außerdem werden die Fenster inspiziert und entschieden, dass wir im Schlafzimmer noch neue bekommen sollen und die anderen gestrichen werden. Das Umzugsunternehmen kommt auch an, ist aber trotz mehrmaliger Info von uns nicht auf den langen Weg vom Parkplatz zum Haus vorbereitet, so dass sie unsere Schubkarre und unser Wägelchen benutzen und dabei gleich schrotten. Das Klavier tragen sie schließlich die ganze Strecke weit ohne Gurte. Wegen der Hitze (38°C im Schatten) und auch sonst nicht gerade motiviert brauchen sie im Kleckertempo 7 Stunden fürs entladen. Ich kam mit dem Schwiegervater und den Kindern erst mittags an, muss dann aber trotzdem noch ca. 4 Stunden mit den Kindern den See hinterm Haus und die Spielplätze erkunden, bis wir irgendwann nur noch hoffen, bald ein kühleres schattiges Plätzchen in der Wohnung in Beschlag nehmen zu dürfen, ohne jemandem im Weg zu sein.
Dann noch die Nachricht, dass die Uroma, bei der wir gerade übernachtet hatten, ein paar Stunden nach unserer Abfahrt ins Krankenhaus musste und auf Intensivstation lag.
Abends wieder allseitiges Gebrüll und obwohl alle Betten aufgebaut waren, eine Nacht zu fünft in einem Bett.

Tag 3: Mittags stelle ich erschrocken fest, dass die weißen Flecken, die ich seit einigen Tagen ab und zu beim Bäuerchen machen auf der Zunge meines kleinen Sohns gesehen hatte, keine Milchklümpchen sondern fortgeschrittener Mundsoor waren. Er tut mir so leid, wie ärgerlich, dass ich es nicht eher gemerkt hatte. Also erst mal Hebamme anrufen, wahrscheinlich würde ein Rezept vom Kinderarzt nötig sein, Ärztehotline befragen, Kinderarzt vor Ort suchen, Nachbarn befragen, Kinderarzt fünftausendmal versuchen anzurufen, dann einen Termin erst für den nächsten Tag bekommen mit viel Wartezeit, da letzter Tag vor Urlaub. Schließlich geh ich direkt in die Apotheke und will das Mundgel holen, was ich schon von meiner kleinen Tochter kannte, aber leider müssen die auch erst bestellen für den nächsten Tag… Komischerweise scheint mein Kleiner gar keine Beschwerden zu haben, er trinkt super und auch sonst merkt man ihm nichts an.
Dann noch Einkaufen im Baumarkt, eine Arbeitsplatte, damit die Küche installiert werden kann und eine Brause, damit wir duschen können. Bevor wir die Badewanne einweihen können, weiht meine Kleine schon den neuen Teppich ein: Anstatt in die Wanne zu steigen entwischt sie ins Arbeitszimmer und lässt selber Wasser.
Von der Schwiegermutter unerwartet Nachricht, dass sie schnellstmöglich operiert werden muss.
Die Nacht immerhin ohne Gebrüll und etwas mehr geschlafen.

Tag 4: Meine Große stürzt die Treppe hinunter, gottseidank nichts Schlimmes weiter passiert, aber die Brille ist wieder mal hin. Wir machen die nächste Optikerfiliale ausfindig. Ich gehe einkaufen, denn der Kühlschrank ist endlich angeschlossen und der Herd soll nach drei Tagen Campingküche zum Abendessen wieder funktionieren.
Wir stellen fest, welcher Bürokratiekram nun dringenst zu erledigen ist. Der Elternzeitantrag z.B. sollte schon längst unterwegs sein.

Tag 5: Ich packe die erste Kiste aus – mit Küchenutensilien, gut dass ich von allem anderen das Nötigste im Reisegepäck für ein paar Tage untergebracht hatte. Die Waschmaschine funktioniert auch wieder und bewältigt gleich mal drei volle Ladungen. (Die immer noch ungelegt in den Wäschekörben warten, sofern sie nicht schon wieder in der Wäsche gelandet sind.)

Tag 6: Wir feiern einen ruhigen Sonntag und bekommen den ersten Besuch. Eine schöne erholsame Abwechslung nach den vergangenen Tagen.

Tag 7: Der Maler kommt zum Fensteranstreichen. Ich flüchte mit den Kindern und dem Schwiegervater vor dem Gestank zum Einkaufen: Einrichtungshaus und Baumarkt… Zum weiteren Auspacken wieder keine Zeit, die Männer wollen lieber erst mal alles Aufbauen und installieren, solange sie zu zweit sind.

Tag 8: Der Wasserinstallateur kommt erneut, denn nach dem Waschbeckenwechsel hatten wir nur noch heißes Wasser im Bad und WC, das kalte tropfte dafür unten aus der Leitung.

Tag 9: Mein Allerliebster geht mit den Mädchen zum Ummelden aufs Einwohnermeldeamt, letzter Tag der Ummeldefrist, wenn man kein Bußgeld zahlen will. Zur Feier des Tages, es stehen alle Möbel und die wichtigsten Dinge sind montiert, gibt es frischen Fisch – seitdem sind wir auf den Geschmack gekommen! Der Schwiegervater fährt wieder nach Hause.

Tag 10: Wir sind den ersten Tag als Familie alleine ohne weitere Hilfe. Wir fühlen uns gut als fünfköpfige Familie und auch schon etwas zu Hause hier. Allerdings meint meine Kleine unbedingt die schmalsten Treppenstufen freihändig runtergehen zu müssen und schlägt ein Salto hinunter –ich stürze der Vollständigkeit halber mit unsrem Kleinen auf dem Arm einmal die Treppe aufwärts, gottseidank sind wir alle mit dem Schrecken davongekommen.
Und so könnte ich die Aufzählung noch eine Weile fortsetzen.

Mittlerweile haben wir uns alle ganz gut eingelebt, auch unsre Große fühlt sich schon mehr zu Hause und hat sich mit ihrem Bruder angefreundet.
Unsre Kleine ist sowieso total begeistert von dem Haus und der Umgebung und findet den ganzen Umzug richtig spannend. Auf ihren Bruder ist sie sehr stolz, umsorgt ihn und schmust mit ihm.
Unser Kleinster lässt sich von dem Umzugstrubel nicht groß stören, trinkt zufrieden und lässt uns sogar nachts ganz gut schlafen.
Ich bin dankbar, dass ich so eine schnelle und einfache Geburt trotz riesigem Kind hatte, dass ich mich schon wieder ziemlich fit fühle und genug Kraft für alles Wesentliche habe.
Irgendwie hatte ich zwar gehofft, das Möbelaufbauen und Auspacken würde schneller vorangehen und ich könnte mehr mithelfen, doch ist das mit 3 Kids utopisch. Im Gegenteil, wo es noch nicht chaotisch ist, machen sie es, wenn man mal eine Minute nicht hinguckt und Dinge, die zwar heil hier angekommen sind, gehen dann doch noch kaputt. Es gibt noch genug zu tun hier, und wenn wir alles ausgepackt haben, können wir den ersten Großputz starten.
Aaaber: Wir haben tolle Nachbarn hier, nett und hilfsbereit. Man könnte fast behaupten, wir haben in den ersten sieben Tagen hier schon mehr mit den Nachbarn geredet als mit manchen Leuten in den ganzen sieben Jahren am alten Wohnort! Und nebenan wohnen Kinder genau im Alter unserer: ein 4 und ein 2 Jahre altes Mädchen und in etwa drei Wochen kommt noch ein Baby dazu!

Das war nun wirklich nur ein Bruchteil von zweimal 10 Tagen. Man halte uns für verrückt, ich würde das auch nicht einfach so zum Nachahmen empfehlen, aber wir haben erlebt, dass alles machbar war, weil – da bin ich sicher – hier Gott wieder mal die Fäden in der Hand gehabt hat und für diese Situation, in die er uns geschickt hat, die „passende“ Geburt, das „passende“ Kind, das „passende“ Haus, viele „passende“ Helfer und vieles mehr geschenkt hat.

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2 thoughts on “Umzug in zwei Akten

  1. Hallo Ihr 5,

    schön, dass Ihr wieder online seid. Ich war echt überrascht, wie “relaxed” Ihr am Tag 6 wart. Wünsche Euch noch weiter ein gutes Einleben. Seid Ihr schon in DEN “Club” eingetreten?

    Uns hat der Alltag schon wieder.Unglaublich wie schnell das immer wieder geht..

    Liebe Grüße aus dem Süden

    1. Hallo ihr Zwei,
      es war echt schön, dass ihr da wart. Zum einen, weil es gut tat, ein paar Freunde in der noch fremden Stadt zu treffen und zum anderen wäre es mir sonst sicher schwer gefallen, zwischen all den unausgepackten Sachen wirklich mal einen Tag Pause zu machen.
      Alles Gute für euren Alltag
      und liebe GRüße zurück

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