Erlebt, Familienleben

Große Familie lernt große Stadt kennen

Hier unterwegs zu sein bedeutet, dass wir trotz Großstadtanonymität auffallen als ungewöhnlich junge Eltern mit ungewöhnlich vielen Kindern. Außerdem fallen wir noch aus anderen Gründen auf und uns fällt dabei auch eine Menge auf. Hier folgen unsere ersten Erlebnisse dazu:

Sonntags reservieren wir uns gewöhnlich etwas Zeit, um einen Familienausflug zu machen. An unserem ersten Familiensonntag hier überlegten wir nicht lange. Wegen der Liebe zum Wasser von meiner kleinen Tochter und mir beschlossen wir, die Stadt erst mal etwas vom Wasser aus kennenzulernen.
Ehe wir alle drei Kids eingepackt hatten und schließlich auch am Hafen angekommen waren, fand sich allerdings kein passendes Schiff mehr für eine geführte Rundfahrt. Egal, für die Kinder würde sicher eine kleine Rundfahrt mit einer Fähre ebenso interessant sein.
Schon legte vor uns eine Fähre an, die zu dem öffentlichen Verkehrsverband gehörte. Ob wir gleich einsteigen und an Board noch die Fahrkarte lösen könnten oder das vorher am Fahrkartenautomat am Anleger erledigen müssten? Bevor wir mit dem Kinderwagen umsonst über die Brücke rumpelten, wollte ich das schnell mal in Erfahrung bringen, stieg aufs Schiff, drehte mich einmal um, ob ich jemanden vom Personal oder einen Automaten entdecken würde, es tutete irgendwo – hier hupte, tutete und blinkte es sowieso ständig überall – und plötzlich klappte die Brücke mit einem Affenzahn nach oben und meine Familie entschwand dahinter meinen Blicken. Dafür hörte ich ein Mordsgebrüll, was nur von meiner kleinen Tochter kommen konnte. Ich konnte mir die Situation an der Landungsbrücke bestens vorstellen und fühlte mich selbst auch nicht gerade angenehm überrascht. Suchend schaute ich mich nach einem Ansprechpartner um, aber außer der Kioskbetreiberin und ein paar Fahrgästen gab es kein Personal, dafür aber den Fahrkartenautomaten. Ein freundliches Ehepaar erklärte mir, dass ich glücklicherweise auf das Schiff geraten war, dass nur noch eine Station bis zur Endstation fahren und dann nach ein paar Minuten Wartezeit wieder zurückfahren würde. Ich hatte mich außerdem zum Glück vor dem Ausflug dafür entschieden, mein Geld und Handy nicht in der Kinderwagentasche, sondern in der Bauchtrage, in der ich unsern Jüngsten bei mir hatte, unterzubringen. So konnte ich wenigstens mit dem Rest meiner Familie absprechen, dass ich nach einer viertelstündigen Ehrenrunde wieder bei ihnen vorfahren würde und sie dann zusteigen sollten, damit wir gemeinsam noch eine kleine Tour in die andere Richtung drehen könnten. Beim Anlegen sah ich meine Drei in einer riesigen Menschentraube stehen und hörte schon von weitem das Gebrüll, dass meine Kleine wieder anstimmte, als sie merkte, dass sie jetzt aufs Schiff steigen sollte. Als sie mich wiedersah, war sie immerhin halbwegs versöhnt, aber sie erzählte den ganzen Nachmittag und noch am nächsten Tag davon, dass „Mama weg“ war. Während der weiteren Fahrt mit der Fähre hatte unsre Kleine, sowie wir irgendwo anlegten, Angst, dass irgend jemand von uns alleine aussteigen könnte. Unsere anderen beiden hatten von der ganzen Aufregung gar nichts mitbekommen, die Große träumte in ihrem Buggy und der Kleinste verschlief alles im Tragetuch. Wir hatten uns den Ausflug zwar etwas anders vorgestellt, war aber trotzdem ganz nett.

Außerdem waren wir Eltern nun um die Erfahrung reicher, dass die Benutzung einer Fähre wie U-Bahnfahren funktioniert und wir uns noch an das nicht gerade großfamilienfreundliche Tempo gewöhnen müssen. Auch Ampeln schalten in der Regel schon nach der halben Familie auf rot und Fahrstühle schließen gewöhnlich die Türen, wenn gerade mal die halbe Familie die Türen passieren konnte. Aber mit diesem ersten Erlebnis sind wir jedenfalls so erfahrene Großstadtbürger geworden, dass es uns wohl nicht mehr unbedarft passiert, dass unsere Kinder plötzlich ohne Eltern Fahrstuhl fahren müssen oder dergleichen. (Auch wenn das einige Akrobatik erfordert, zwei kleine Kinder mit einem Babysafe am Arm in einen halbgefüllten Fahrstuhl Richtung Kinderarztpraxis zu schieben und gleichzeitig noch ein Bein in die Lichtschranke zu stellen.)

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