Gebet, Nachgedacht

Wenn Kinder beten

Beten ist mehr als ein Geborgenheit vermittelndes Ritual für Kinder, davon bin ich überzeugt. Ich möchte es meinen Kindern gerne begreiflich machen, dass wir mit einer realen Person reden, mit Gott, unserem Vater im Himmel, und seinem Sohn, Jesus Christus. Wir wollen ihnen vorleben, dass wir ständig im Gespräch sein können mit unserem himmlischen Vater, und zwar darüber, wie wir uns freuen, dass er so ein guter Gott ist, dass wir ihm danken, für alles, was er für uns tut, ihn für alles bitten können, was uns beschäftigt und ihm alles erzählen können, was uns wichtig ist. Wir staunen, dass ihn das wirklich interessiert und er uns zuhört und hilft. Und so beten wir nicht nur ein Dankgebet vor dem Essen und ein Abendgebet vor dem Schlafengehen, sondern auch morgens vor dem Frühstück für alles, was am Tag auf uns zukommen wird, für unsere Familie und Freunde und das was uns sonst gerade wichtig ist und uns beschäftigt.

Es ist toll, wie wichtig dieses Gebet meinen Kindern geworden ist, sie haben es selbst schon mehr ritualisiert, als ich das wollte. Es ist ihnen offensichtlich wichtig, dass wir für das beten, was ihnen wichtig ist. Wehe, ich lasse im Morgengebet mal jemanden unserer Familie oder eine der Aktivitäten, die uns an dem Tag bevorstehen, aus. Dann werde ich von meiner Kleinen sofort daran erinnert, für wen ich vergessen habe zu beten, und dann müssen wir das schnell noch nachholen, bevor wir essen können.
Wenn es mittags mal nicht schnell genug mit dem Essen geht, setzt sich meine kleine Tochter an den Tisch und betet schon mal, damit es gleich losgehen kann. Eine aktuelle Version von ihr lautet zum Beispiel gerade: „Mama, Papa, Stoffliebhaberin KiGa, Wortkünstlerin Gofas (so nennt sie ihren kleinen Freund, mit dem sie gerne spielt), Baby Bauch Kakaaus (Krankenhaus). Aben.“ Überhaupt meint sie, man müsse jedes Mal für „Gofas“ beten und nicht nur fürs Essen danken. Meine Große setzt sich hin, wenn sie hungrig ist, und faltet auffordernd die Hände: „Ich möchte essen, lass uns beten!“

Ich frage mich schon, ob wir das Beten doch schon wieder zu sehr ritualisiert haben in Inhalt, Form, Haltung usw.
Da wäre das Händefalten: Ich glaube nicht, dass man zum Beten unbedingt die Hände falten müsste, auch wenn das kein schlechtes Ritual ist. Irgendwann überlegten wir, wie wir die Kinder dazu bringen könnten, sich aufs Beten zu konzentrieren oder zumindest ruhig zuzuhören, ohne dass wir immer wieder sagen müssten: „Lass das Spielen beim Beten, nicht Trinken beim Beten, Bleib sitzen usw.“ Also haben wir die Hände gefaltet und eines Tages hat meine Große herausgefunden, wie das geht und stolz und freiwillig die Hände so ruhig gehalten. Und unsere Kleine hat es auf ihre Art nachgeahmt.
Da wäre auch das Augenschließen: Wer sagt eigentlich, dass man zum Beten die Augen schließen sollte? Ist das nicht auch nur ein Ritual? Meine kleine Tochter fragte mich mal, warum ich „Auge zu“ machen würde und ich sagte, dass man Gott ja nicht sehen könne und deshalb die Augen schließen könne, damit man nicht von dem, was man sieht, abgelenkt wird, wenn man betet, und so besser an ihn denken bzw. sich vorstellen kann mit ihm zu reden. Seitdem probiert sie selbst öfters, angestrengt die Augen zuzukneifen und berichtet dann nach dem Amen stolz: „Wortkünstlerin Auge zu!“

Ich lerne von meinen Kindern, dass gewisse Rituale gut und hilfreich sind, wenn sie mit lebendigem Inhalt gefüllt sind und ich kann auch noch von ihnen lernen, viel konsequenter und öfter für das, was uns und andere betrifft, zu beten.

Kornblumen

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