Besondere Kinder, Erlebt, Muttersein

Mütterselbsthilfe

Drei bis sieben Mütter besonderer Kinder auf einem Haufen, das gibt eine ebenso bunte und erfrischende Ansammlung von Humor, Gelassenheit, hilfreichen Tipps, Wissen, Verständnis und Ermutigung. Gerade hatte ich wieder einmal ein Treffen mit unserer Müttergruppe, leider fast schon das letzte.

Da sind Mütter von Kindern mit den unterschiedlichsten Besonderheiten: leicht bis schwer ausgeprägte geistige und/ oder körperliche Behinderungen und Entwicklungsstörungen unterschiedlichster Ursache. Trotzdem haben alle vieles gemeinsam: mit dem Kind überall aufzufallen, besondere Pflege- und Erziehungsherausforderungen, Ärzte- und Krankenhauserfahrungen, Kutschiererei zu Therapieterminen, zermürbende Erfahrungen mit der Bürokratie, hier und da gewonnene Kämpfe und Erkenntnisse, die man gerne den anderen weitergeben kann, aber auch eine bestimmte entspannte Art, mit den Besonderheiten des eigenen Kindes oder der anderen Kinder umzugehen.
Ja, die Atmosphäre in der Gruppe ist einfach angenehm, ich brauche nichts zu erklären, zu rechtfertigen, kann sein wie ich bin und sagen, wie es mir gerade geht und weiß mein Kind genauso geschätzt, wie es ist. Hier gibt es keine Konkurrenz, hier sind Mütter, die wissen, dass jeder das Recht hat ganz besonders zu sein und ganz besonders behandelt zu werden, dass es keinen Sinn hat zu vergleichen.
Da sind Mütter, die sich noch schwer damit tun, die Rolle, Mutter eines besonderen Kindes zu sein, anzunehmen und solche, die es mit Begeisterung sind und optimistisch den Blick auf das lenken, was daran ein besonderes Geschenk ist.
Da wird auch viel über Schwierigkeiten geredet, man findet immer mindestens eine Mutter, die Ähnliches erlebt hat und vor allem eine, die aus eigener Erfahrung sagen kann, welche Hilfen es gibt, die Schwierigkeiten zu bewältigen.
Die allerbesten Tipps, praktischer, hilfsmitteltechnischer und auch finanzieller Art, habe ich in der Tat von anderen Müttern bekommen. Ich bin wirklich erstaunt und erfreut, welche Unterstützung man in unserem Land für besondere Kinder bekommen kann, man muss bloß wissen, dass es sie gibt, wo und wie. Und das sagen einem in der Regel nicht die zuständigen offiziellen Stellen, sondern eben andere Mütter, die schon ihre Erfahrungen damit gemacht haben.
Ich würde sonst sicherlich noch die Windeln für meine ja eigentlich aus dem Wickelalter herausgewachsene Tochter selbst kaufen oder hätte nicht in Betracht gezogen einen Pflegestufenantrag zu stellen. Dass ich mit der Anerkennung der Pflegestufe gleichzeitig Anspruch auf weitere Leistungen habe, von denen ich z.B. eine Freundin als Babysitter anstellen kann, hat mir natürlich die Pflegeversicherung nicht mitgeteilt, aber eine andere Mutter. Auch die Ärzte und Therapeuten, die die ausgeprägte Hypotonie bei meiner Tochter festgestellt haben, konnten mir nicht den Hinweis geben, dass ich deshalb einen speziellen Autokindersitz für meine Tochter bekommen kann, sondern eine andere Mutter, deren Tochter genauso wie meine beim Autofahren seitlich aus dem Dreipunktgurt heraus sackt oder vornüber hängt mit Gurt am Hals. Und wer sagt einem schon, dass es Gebärdenlexika gibt, und zwar nicht nur das, sondern sogar auf Rezept. Alles Tipps, die vieles viel leichter machen, ich bin begeistert von den Möglichkeiten und den Müttern, die das vor mir schon im Alltag erprobt haben.
Dann wird aber auch viel Freude geteilt über kleine Fortschritte, über die Bereicherung und neue Sichtweisen, die die Kinder geben. Es kommt erstaunlich viel Humor zutage, mit dem die einzelnen mit den Herausforderungen umzugehen lernen, z.B. mit der Notwendigkeit ein Schloss am Kühlschrank zu befestigen um die strenge Diät zu kontrollieren. Und anstatt nur über die Erziehungsprobleme zu stöhnen, kann man auch gemeinsam über Anekdoten lachen, die so nur besondere Kinder liefern. Zum Beispiel über den Kommentar eines Jungen, der „für sein Alter quasi unangemessen direkt“ der vom Regenwetter zerzausten Postbotin beim Türöffnen ins Gesicht sagt: „Hässliche Frau!“ (Man freut sich, dass er die Tür öffnen, sprechen, die Frau wahrnehmen und seine Gedanken ausdrücken kann!)

So bin ich also auch nach diesem Treffen gut gelaunt, voller neuer Ideen und Tipps, ermutigt nach Hause gefahren. Mütter, macht weiter so.

Steine

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