Erziehung, Muttersein, Nachgedacht

Lass das sein!

Lass das sein! Manche Tage würde ich am liebsten einfach auslassen. Lass Papas Tasse bitte stehen, sonst verplemperst du noch alles! Lass dein Lätzchen um, du bist noch nicht fertig mit dem Essen! Lass das Treten unter dem Tisch! Lass das Kippeln mit dem Stuhl, du fällst sonst noch um! Lass deinen Finger aus der Nase und den Popel aus dem Mund! Lass die Brille auf der Nase! Lass die Hausschuhe, die Strickjacke, die Hose an, es wird dir sonst kalt! Lass die Windeln in der Kiste und zerreiße sie nicht! Lass das Klamottenausräumen, wer soll das denn alles wieder zusammenlegen! Lass Mamas Hustenbonbons in der Schachtel, sie kleben ja schon voller Teppichflusen! Lass deine Schwester in Ruhe spielen, du sollst ihr nicht das Spielzeug wegnehmen! Lass das Hüpfen auf der Bettkannte, du fällst noch herunter! Lass das Malen in meinem Kalender! Lass deine Finger von den Blumen auf dem Tisch, die sind zum Anschauen, nicht zum Zerrupfen da! Lass den Schnuller deiner Schwester in ihrem Bett, der gehört nicht in deinen Mund! Lass doch einfach mal alles sein, was man nicht tun soll! Ich fühle mich wie eine Telefonansage auf Endlosschleife „Lass das sein!“.

Lass doch endlich mal das Meckern und Verbieten, sage ich mir schließlich. Warum machen sie denn das? Um mich zu ärgern? Auch wenn ich das tue, wahrscheinlich meistens nicht absichtlich aus Dummheit, sondern oft unabsichtlich aus Unwissenheit und Unverständnis heraus. Sie wollen etwas entdecken, etwas Spaß haben, etwas helfen, etwas von meiner Aufmerksamkeit haben. Sie wollen doch spielen.
Unversehens tue ich das, was ich eigentlich lassen will. Ich bin nur noch dabei, auf das Verhalten meiner Kinder korrigierend zu reagieren, anstatt sie, bevor es dazu kommen muss, zu gutem und nützlichen Verhalten und Spielen anzuleiten. Meistens passiert mir das genau dann, wenn ich meine, ich habe so viel zu tun und keine Zeit mich länger mit den Kindern zu beschäftigen. Aber das, was daraus entsteht, kostet meist noch viel mehr Zeit und Nerven, als wenn ich mir mehr Zeit für die Kinder oder dafür, die Dinge mit ihnen zusammen zu tun, genommen hätte. Nur entwickelt sich dann so ein tückischer Lass-das-sein-Kreislauf mit entsprechender Laune bei mir und den Kids, so dass man die Spur gar nicht so leicht wieder verlassen kann.
Lassen wir das negative Verhalten mal hinter uns und lasst es uns noch einmal neu gemeinsam versuchen!

Putzen

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3 thoughts on “Lass das sein!

  1. Genau, deswegen schreibe ich es auch. Um mich beim nächsten Mal schneller daran zu erinnern und zu motivieren, dass es anders besser läuft, ein Stückchen Selbsttherapie…

    1. kann euch nur zustimmen, entdecke mich auch ganz oft dabei. meistens brauch ich nur 10 -15 min ein buch mit kjell angucken oder etwas mit ihm spielen, aber auch wirklich mit ihm ohne nebenbei noch was zu machen und schwupps kann ich hinterher auch ohne Probleme mal die Wohnung saugen, oder das Bad machen und Kjell sucht sich selbst eine Beschäftigung oder hilft. Bin ich nur darauf aus meinen Zettel abzuarbeiten, dann wird verständlicherweise “gemeckert”….. ich werde auch einmal mehr probieren mich selbst zu beobachten,…

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