Besonderssein/Behinderung, Gesellschaft, Muttersein, Nachgedacht

Gedanken beim Ultraschall

Gerade war ich zum Ultraschall, schon zum vierten Mal in dieser Schwangerschaft, diesmal sogar mit 3D. Es ist jedes Mal zum Staunen, was man an dem ungeborenen Kind schon alles erkennen kann, aber am eindrücklichsten fand ich das eigentlich ganz am Anfang. In der 7.Woche schien das ganze Kind aus einem schlagenden Herzen zu bestehen, in der 11. Schwangerschaftswoche war schon ein ganz kleiner Mensch zu erkennen, mit allem, was dazu gehört, sogar die einzelnen Finger waren zu sehen. Wie kann man da eigentlich sagen, das wäre noch kein richtiges Leben, noch kein Mensch? Ich konnte sogar seine Bewegungen spüren, die ich auf dem Bildschirm sah. Hätte ich das Ultraschallbild dazu nicht gesehen, hätte ich das Gefühl im Bauch wohl mit der Verdauung erklärt, aber so war es eindeutig, dass es von dem kleinen Lebewesen in mir stammte.
Beim nächsten Ultraschall zur Hälfte der Schwangerschaft wurde wieder genau untersucht, ob sich das Kind normal entwickelt, und obwohl alles in Ordnung zu sein schien, schickte mich der Arzt noch zur pränatalen Diagnostik mit 3D-Ultraschall. Ich hielt das erst nicht unbedingt für nötig, ich finde es fast übertrieben, wie viele schwangerschaftsspezifische Untersuchungen man in unserem Land macht. Ich fühle mich gesund und gut mit der Schwangerschaft, muss aber so oft wie sonst nie zum Arzt gehen und habe schon fast das Gefühl, die Schwangerschaft wäre eine Krankheit. Andererseits würde man sich wahrscheinlich später Vorwürfe machen, wenn man die medizinischen Möglichkeiten nicht genutzt hätte, die wir haben, wenn sich herausstellen sollte, dass man schon während der Schwangerschaft dem Kind heilend oder lebensrettend hätte helfen können. Also war ich eben auch bei dem 3D-Ultraschall, wo man Erkenntnisse über eventuell schon im Mutterleib behandelbare Erkrankungen gewinnen kann, bzw. über solche Erkrankungen, die sofort nach der Geburt behandelt werden sollten, um dies dann gegebenenfalls vorbereiten zu können. Schon faszinierend, was man alles sehen konnte, ob Urin in der Blase ist und wie die Nabelschnur durchblutet wird z.B. Sonst konnte der Arzt wieder nichts Auffälliges feststellen. Dafür habe ich jetzt ein Foto vom Gesicht unseres Babys. Allerdings sieht es so zerknautscht aus, dass ich es mir lieber nicht so genau anschaue und mich auf den ersten Anblick nach der Geburt freue. Gründlicherweise musste ich vor der Untersuchung noch eine Unterschrift leisten, dass ich weiß, dass auch ein guter Arzt etwa nur 90% aller per Ultraschall abzubildenden Fehlbildungen und Erkrankungen entdeckt und natürlich andere Gendefekte nicht getestet werden können.
Ja, trotz aller medizinischen Möglichkeiten und wissenschaftlichen Erkenntnisse können wir doch nicht alles Wissen und haben die Entwicklung des Lebens doch nicht selbst im Griff. Die Grenzen der Diagnostik in der Schwangerschaft konnte ich auch bei meinen beiden Großen erleben. Bei meiner großen Tochter war in der Schwangerschaft überhaupt nichts Auffälliges bemerkt worden und die Entwicklungsstörung stellte sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres heraus. Bei meiner zweiten Tochter machten mich die Ärzte zwei Wochen vor dem Termin verrückt, weil das Kind laut Ultraschallmessung angeblich retardiert, unterentwickelt, war und sie wollten es am liebsten sofort holen, weil es vielleicht nicht mehr richtig versorgt werden könnte. Meine Tochter wurde dann völlig gesund und normal mit ordentlichen 3690g geboren.

Ich finde es tröstlich zu wissen, dass Gott die ganze Entwicklung des Kindes im Griff hat und über alles Bescheid weiß. Ich will mich darum auch nicht völlig auf irgendwelche Diagnosen und Prognosen über die Entwicklung verlassen, die allein auf unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Wenn es heißt, dass das Kind einen Entwicklungsschritt nie mehr vollständig aufholen kann, wenn es ihn nicht in einem bestimmten Zeitfenster (vor oder nach der Geburt) gemacht hat, dann glaube ich trotzdem, dass bei Gott nichts unmöglich ist, denn er hat alles im Griff.

Grasnelken

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1 thought on “Gedanken beim Ultraschall

  1. Liebe Johanna,

    schön, dass Ihr noch ein Kind erwartet. Wir grüßen Euch ganz herzlich aus Berlin, das heute schon den zweiten Tag die Sonne durchläßt.

    Seid ganz reich gesegnet,

    Jessica

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