Auftanken - Ausbrennen, Erlebt, Muttersein, Nachgedacht

Start in den Tag

Unausgeschlafen und hektisch in den Tag gestolpert, ohne Frühstück mit der großen Tochter schnell zum Kindergarten gehetzt, weil die kleine noch selig schläft, nachdem sie uns die halbe Nacht wegen ihrem Husten wachgehalten hat, und ich wieder zurück sein muss, bis mein Mann zur Arbeit aufbrechen muss. Draußen Nieselregen auf Schneematsch, ein kleiner weißer Hund springt hinter einem Schneeberg plötzlich auf die Straße, ich kann das Auto gerade noch zu einem kleinen Schlenker bringen, dann zum Kindergarten abgebogen, Trubel auf den Parkplätzen und plötzlich jemand, der an meine Scheibe klopft: „Polizei, wir machen hier eine Verkehrskontrolle…ihre Papiere bitte.“ Die habe ich dabei. Dann ein Blick ins Auto: „Das Kind ist ordnungsgemäß angeschnallt“ – ja, da will ich konsequent sein, auch wenn es nur für 100m ist – „aber die Fahrzeugführerin nicht, warum?“ Hm, es gibt keinen triftigen Grund dafür, der ganze Morgen war eben schon chaotisch und hektisch, müssen sie mich gerade bei einem der zwei, drei Male anhalten, wo ich meinte, es geht in der Eile kurz im Ort auch mal ohne? Also 30€ gezahlt, bin nur froh, dass der Polizist mich nach dem Blick in meinen Führerschein wenigstens nicht noch fragt, wo meine Brille ist, schnell in den Kiga und wieder nach Hause, damit mein Mann rechtzeitig zur Schule kommt. Aus der Zufahrt zu unserer Straße kommt mir ein Schneeräumfahrzeug mit einem Anhänger voller Schneeberge(!) entgegen, er kann nicht zurück, ich muss also rückwärts wieder auf die Hauptstraße und fahre einen Umweg über die Parallelstraße. Dann Frühstück mit einem Kind, das wegen Halsschmerzen nichts essen mag, innerlich immer noch gehetzt und verärgert über die eigene Dummheit kippe ich aus Versehen den vollen Kakaobecher meiner Tochter über den Tisch und über meinen Schoß. Sie weint, ich muss mich komplett umziehen.
Was für ein Start in den Tag! Und wie anders wäre der Vormittag wohl verlaufen, wenn ich z.B. so begonnen hätte:
Morgens früh in aller Ruhe beim Weckerklingeln aufstehen, mit einem Tee gemütlich in meiner Leseecke Platz nehmen, Zeit für Stille haben, um meine Gedanken zu ordnen, vor Gott auszubreiten, zu hören, was Gott mir in seinem Wort zu sagen hat, so die Prioritäten für den Tag richtig setzen können, ermutigt werden,… Dann nach einer erfrischenden Dusche die Kinder fertig machen einschließlich einer Kuscheleinheit und mit genügend Zeit das Frühstück mit der ganzen Familie genießen können, bevor jeder seinen Aufgaben nach- und seiner Wege geht. Ich träume nur von solch einem Start, denn wie macht man das mit Kleinkindern, noch dazu kranken Kleinkindern, wenn man die Nacht, und die Nächte davor ebenfalls, kaum geschlafen hat? Da hilft es auch nicht, abends rechtzeitig ins Bett zu gehen.
Viele Christen wollen das Jahr 2010 bewusst als „Jahr der Stille“ leben, vom Tun zum Sein kommen, aus der Stille leben, den Tag in der Stille beginnen. Beim Durchblättern des Impulsheftes zum Jahr der Stille habe ich vergeblich nach Ideen für Mütter oder Familien mit Kleinkindern gesucht. Keine Zeit für Stille Zeit? Aber wenn man sie sich nimmt – eine organisatorische Meisterleistung –, gewinnt man auch wieder Zeit. Nur geht es mir dann auch öfters wie Elia, der unter dem Wacholderbusch erst mal für eine Weile einschläft, bevor er bereit ist für die Begegnung mit Gott. Wie Elia erlebe ich dann aber auch, dass Gott meine Bedürfnisse kennt und mich stärkt. Vielleicht sollte ich wenigstens daran beim Aufstehen denken, besser 5min als gar nicht, auch wenn 5 nicht mit 55min zu vergleichen sind.

Schneeberge im Hof

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1 thought on “Start in den Tag

  1. Mich hat es mal extrem ermutigt, von anderen Pastorenfrauen auf einer Tagung zu hören, dass jede von ihnen diese Kleinkind-Stress-Phasen durchgemacht hat, INKLUSIVE fehlender Zeit für solche Dinge wie Stille Zeit oder gar ein JAHR DER STILLE… Ich hoffe auch darauf, dass diese Phasen wieder kommen.

    Cool, dass Du den Hund nicht überfahren hast!
    Cool, dass Du Deinen Führerschein dabei hattest! (den vergesse ich nämlich viel zu oft…)
    Cool, dass der Kakao nicht brütend heiß war, und Ihr Euch verbrannt habt!
    Cool, dass Du nicht mit dem um die Ecke flitzenden Schneeschieber-Koloss zusammengedonnert bist!

    Ich glaube, da waren schon ne Menge Schutzengel unterwegs…
    … und die Stille, die genießen wir dann in ein paar Jahren wieder!! ; )

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