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Abi 2024?

Als meine große Tochter noch nicht ganz ein Jahr alt war, bekam ich einen Body mit dem Aufdruck „Abi 2024“ für sie geschenkt. Die Schenkende fand den Aufdruck so witzig, dass sie den Body unbedingt kaufen wollte, und da sie sonst niemanden mit kleinen Kindern kannte, schenkte sie ihn uns. Beim Aussortieren zu klein gewordener Kindersachen hielt ich den Body gerade wieder in Händen, denn inzwischen passte er meiner zweiten Tochter und ich zog ihn ihr ebenfalls an, auch wenn sie theoretisch gesehen wohl kein Abi in 2024 machen kann. Wahrscheinlich wird auch die Große kein Abi in 2024 machen, wahrscheinlich wird sie nie eins ablegen, vielleicht wird sie noch nicht einmal eine normale Schule besuchen können! Das konnte die Schenkende damals nicht wissen und auch uns war das zu der Zeit noch nicht so bewusst, sonst hätte sie uns wohl nicht dieses Geschenk zukommen lassen. Aber wie dem auch sei, ich finde diesen Aufdruck eigentlich überhaupt nicht witzig, sondern ziemlich daneben und ich ziehe den Body den Kindern auch nur an, weil man ihn sowieso nie sieht!

Ist das die richtige Einstellung unseren Kindern gegenüber, dass wir schon im Säuglingsalter planen, dass sie einmal Abitur machen sollen? Sind wir so auf intellektuelle Leistung getrimmt, dass wir unsere Erwartungen diesbezüglich schon unseren Babys aufs Hemd schreiben? Und wenn sie sie nicht erfüllen können? Wenn sie einfach bessere Praktiker als Theoretiker sind oder geistig gar nicht besonders helle sind? Ist das schlimm? Sie werden dann in der Schule und Ausbildung nicht so erfolgreich sein und in unserer Gesellschaft vielleicht nicht so viel gelten. Aber zählt denn nur Intelligenz? Wer fragt eigentlich mal nach Fähigkeiten, für die es keine Schulnoten gibt, nach dem Charakter? Ich bin sehr froh, dass Gott uns nach ganz anderen Maßstäben beurteilt, als wir das tun und dass ihm jeder Mensch wichtig und wertvoll ist, unabhängig von seiner Leistung. Bei ihm zählt vielmehr die Herzenseinstellung. Sollten wir nicht lieber wünschen, dass unsere Kinder Jesus kennen und lieben lernen, ebenso ihre Mitmenschen und sich selbst und dass die Auswirkungen seines Geistes in ihrem Charakter sichtbar werden und sie z.B. lieben können, fröhlich sind, Frieden stiftend, zufrieden, geduldig, freundlich, gütig, zuverlässig, ehrlich, sanftmütig und sich selbst beherrschen können?!

Qualifikationen nach unseren Maßstäben hin oder her, Gott braucht sie nicht, wenn er einen Menschen gebrauchen will. Gladys Aylward ist dafür ein gutes Beispiel: Ihre Lehrer hielten Gladys für dumm, sie konnte keinen Schulabschluss machen und keine Ausbildung absolvieren. Aber sie fühlte sich berufen, nach China zu gehen, wurde jedoch, als sie sich bei der China-Inland-Mission bewarb, wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes und ihrer mangelnden Bildung abgelehnt. daraufhin sparte sie sich eine Bahnfahrkarte zusammen und gelangte auf einer sehr beschwerlichen Reise durch Europa und Asien an ihr Ziel. In China wurde sie schließlich für sehr viele Waisenkinder eine Zukunft vermittelnde Mutter und rettete knapp 100 Kinder im chinesisch-japanischen Krieg durch eine waghalsige Flucht über die Berge. Ihre Lebensgeschichte ist so bekannt geworden, dass sie sogar verfilmt worden ist mit dem Titel „die Herberge zur 6. Glückseligkeit“. Ist das nicht ein erfülltes und gesegnetes Leben, auch ohne Abitur?

Ich denke, wir verpassen viel, wenn wir unsere Kinder nur auf das Ziel „Abitur“ und „Karriere machen“ trimmen. Sie sollen wissen, dass dieses Leben hier nicht alles ist, und dass sie gewinnen, wenn Gott die Hauptrolle in ihrem Leben spielen kann. Und neben einer guten Allgemeinbildung finde ich die Charakterbildung genauso wichtig, sowie soziale Fähigkeiten und auch die praktische und emotionale Intelligenz. Ich möchte, dass meine Kinder dies lernen, das Abitur hat nicht die höchste Priorität.

Schneeflocken

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